Wettbewerbe: Der kleine Fermat
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Matroids Matheplanet

\(\begingroup\) Logo des Dichterstreits 1. Preis beim Aufsatz- und Dichterspaß 2010 Der kleine Fermat Eine satirische Fiktion Mein Name ist Jean Ferrat und ich war reich, so unsagbar reich, dass ich ein Ferienhaus auf den Mond hätte stellen können, so reich, dass es unmöglich war wieder arm zu werden. Genau das ist aber eingetroffen. Dieses Unglück hat sogar stattgefunden, bevor ich beginnen konnte meinen Reichtum zu geniessen. Doch ich will nicht klagen, denn die Klagen eines gescheiterten Mannes will niemand hören. Stattdessen werde ich erzählen, wie ich zu diesem sagenhaften Reichtum gefunden hatte. Dazu muss ich etwas weiter ausholen: Es begann um das Jahr 2030...

Etwas, was niemand erwartet hätte war eingetroffen; das Ende des technischen und naturwissenschaftlichen Fortschritts. Dies geschah natürlich nicht innert Jahresfrist. Doch die Zeichen waren schon in den zwanziger Jahren zu sehen. An den Universitäten wurden ganze Fakultäten geschlossen. Physikprofessoren konnte man später noch hie und da im Zirkus bestaunen, wo sie ihre technisch perfekten Kunststücke zum besten gaben. Computer programmieren sich schon lange selbst, somit werden auch keine Informatiker mehr benötigt. Auch war in Vergessenheit geraten, wozu das CERN einst gebaut wurde. Man hat es schliesslich in einen grossen Kühlraum für Lebensmittel umgenutzt. Einige Geräte wurden zum Bau einer gigantischen Mikrowellen-Grillstationen verwendet. Diese durchaus sinnvolle Umnutzung war aber eher eine zufällige Entdeckung der Möglichkeiten, als ein geplanter Umbau. Der Verlust auf Seiten von Naturwissenschaft, Technik und auch Mathematik kam anderen Bereichen zu gute. Vor allem die juristischen Fakultäten explodierten geradezu. Natürlich war nicht jeder Student geeignet das Lizenziat in Rechtswissenschaft zu erwerben. Aus diesem Grunde führte man weitere, einfachere Abschlüsse ein. Nach drei Semestern beispielsweise, konnte man bereits den “Junior law assistant” erwerben. Bei dieser Konzentration der universitären Mittel konnte der Fortschritt nicht lange ausbleiben. Die Patentanwälte erfanden neue Produkte: Sie handelten mit Paketen von Patenten und Gegenpatenten, die wiederum gegeneinander versichert waren und auf diese Weise eine steuerbare Hebelwirkung in den Patentansprüchen bewirkten. Patente besitze ich nicht, aber ein cleverer Urheberrechtsanwalt hat entdeckt, dass ich der einzige lebende Nachfahre eines gewissen “Pierre de Fermat” bin. Es ist zwar schon eine Weile her, seit dieser gelebt hatte, aber Dank eines neues Gesetztes gab es keine Verjährung der Urheberschaft mehr. Sein geistiges Erbe wurde somit mir zuerkannt. Den Anwalt, welcher mir die Nachricht überbracht hatte, konnte ich nicht vollumfänglich auszahlen. Ich bot ihm deshalb die Rechte am Kleinen Fermatschen Satz an. Damit gab er sich aber nicht zufrieden und so kam es, dass ich den kleinen Fermat behalten konnte und er sich die Rechte am Grossen Fermatschen Satz sicherte. Einige Monate später stellte sich, sehr zum Ärger meines Anwaltes, heraus, dass der grosse Fermatsche Satz finanztechnisch absolut unbrauchbar war, die Rechte auf den kleinen Satz aber eine unerschöpfliche Geldquelle darstellten. So kam es, dass ich bei jeder finanziellen Transaktion mit so einer Verschlüsselungsmethode einen kleinen Betrag gutgeschrieben bekam. Ein weit grösserer Betrag ging auf das Konto des Anwaltsbüros, welches die Sache eingefädelt hatte. Ich sollte noch erwähnen, dass mir gerichtlich untersagt wurde, die Namen der beteiligten Anwälte zu nennen. Daher werde ich nun den Anwalt, der mir den kleinen Fermat zugesprochen hat mit “A” bezeichnen, und das Anwaltsbüro, dass meine Rechte durchgesetzt hat mit “B”. Anwalt A fühlte sich verständlicherweise ziemlich verschaukelt, worauf er ein Paket mit Patenten zu Verschlüsselungstechniken erwarb. Ein Kombinationspaket mit verschränkter Hebelwirkung erlaubte es ihm eine Urheberrechtsumleitung auf den kleinen Fermat zu erwirken. Zudem, so begründete er, sei das Kleine immer Teil des Grösseren und deshalb habe er auch Anspruch auf den Kleinen Fermatschen Satz. Zusammen mit seinen Patenten erwarb er sich einen Anspruch von 120% auf meine Einnahmen. Da ihm die grosse Kommission sein Anrecht bestätigte und meine Mittel bereits so weit zusammengeschrumpft waren, dass es für eine wirksame Verteidigung nicht mehr reichte, lebe ich nun von der Sozialhilfe. Diese hat übrigens ein freundlicher Anwalt, nennen wir ihn C, für mich erkämpft. Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen meine Urheberrechtschutzversicherung zu kündigen, denn diese hat mir bisher mehr geschadet als genützt. Leider unterliegt die Kündigung einigen Paragraphen, welche mir zuerst ein Anwalt erklären muss, aber dass werde ich vielleicht später noch erzählen.
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Der kleine Fermat [von Ueli]  
1. Preis beim Aufsatz- und Dichterspaß 2010 Eine satirische Fiktion Mein Name ist Jean Ferrat und ich war reich, so unsagbar reich, dass ich ein Ferienhaus auf den Mond hätte stellen können, so reich, dass es unmöglich war wieder arm zu werden. Genau das ist aber einget
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"Wettbewerbe: Der kleine Fermat" | 3 Comments
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Re: Der kleine Fermat
von: Ueli am: Mi. 22. September 2010 21:52:31
\(\begingroup\)Vielen Dank! Das freut mich natürlich sehr und entschädigt mich etwas für all den Ärger, den uns Ingenieure immer mehr plagt: Patente recherchieren, Patente schreiben, rechtliche Absicherungen und Rechtfertigungen. Und in der restlichen Zeit? Zeitpläne aufstellen! Zum Glück gibt es da den Matheplaneten, da darf man wenigstens noch kreativ sein. Viele Grüße Ueli\(\endgroup\)
 

Re: Der kleine Fermat
von: gaussmath am: Do. 23. September 2010 09:27:08
\(\begingroup\)Glückwunsch Ueli für den 1. Platz! Ich finde Deinen Beitrag sehr interessant und er entspricht genau den Vorstellungen, die ich mir für diesen Wettbewerb überlegt hatte. Es ist die persönliche Note... Na, dann werde ich dir alsbald Deinen Preis zuschicken. 😄 Beste Grüße, Marc\(\endgroup\)
 

Re: Der kleine Fermat
von: SarahTUBerlin am: Do. 23. September 2010 15:37:28
\(\begingroup\)Hallo Ueli, Ich finde deinen Beitrag sehr gelungen 😄 LG Sarah\(\endgroup\)
 

 
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