Mathematik: Weltkulturerbe Mathematik
Released by matroid on Do. 01. April 2010 09:00:28 [Statistics]
Written by matroid - 1385 x read [Outline] Printable version Printer-friendly version -  Choose language   
Mathematik

\(\begingroup\)\(\newcommand{\IX}{\mathbb{X}} \newcommand{\IW}{\mathbb{M}} \newcommand{\politician}[1]{\text{Ich habe die Frage nicht verstanden. #1}} \newcommand{\ba}{\begin{aligned}} \newcommand{\ea}{\end{aligned}} \newcommand{\bpm}{\begin{pmatrix}} \newcommand{\epm}{\end{pmatrix}} \newcommand{\bc}{\begin{cases}} \newcommand{\ec}{\end{cases}} \newcommand{\on}{\operatorname} \newcommand{\ds}{\displaystyle}\) Mathematik wird Weltkulturerbe Als erste Wissenschaft ist die Mathematik zum Welterbe der Menschheit erklärt worden. Das Welterbe-Komitee der Unesco stimmte laut Bundeswissenschaftsministerium am Mittwoch im spanischen Sevilla dem Gemeinschaftsantrag der International Conference of Mathematicians (ICM) zu. Auf der letzten Zusammenkunft der ICM in Madrid war beschlossen worden, diesen Antrag zu stellen. Der Vorsitzende der ICM, Oxford-Mathematiker John Ball, zeigt sich hochzufrieden, dass der Mathematik diese außerordentliche Anerkennung vor allen anderen Wissenschaften zugekommen ist.

Diese einzigartige Wissenschaft steht nun auf einer Stufe mit Naturwundern wie dem Great Barrier Reef vor Australien, dem Nibelungenlied und dem Tenorgesang der sardischen Schäferkultur in Italien. Das Komitee würdigte die Mathematik "als die älteste, zuverlässigste, verlässlichste, umfassendste, allgemeingültigste Wissenschaft der Erde". Die Mathematik sei ein einzigartiges, kulturstiftendes Denksystem, und sie sei die einzige Disziplin, deren Vertreter sich unabhängig von allen Unterschieden der kulturellen Herkunft untereinander ohne Probleme und sich gegenseitig befruchtend austauschen könnten. "Die Entscheidung des Komitees, den unersetzlichen Beitrag der Mathematik für unsere Welt als Welterbe anzuerkennen, verleiht den Bemühungen um die weltweite Vernetzung von Kultur- und Naturerbe neuen Auftrieb", sagte der Präsident der Deutschen Unesco-Kommission, Walter Hirche. Erfolg, aber auch Verpflichtung "Das ist ein Dankeschön der Weltgemeinschaft an diejenigen, die das hier geschaffen haben", sagte der Gießener Mathematik-Professor und begnadete Kommunikator seines Faches, der auch Gründer des ersten Mathematik-Museums "Mathematikum" ist, Albrecht Beutelspacher, am Abend in Cuxhaven. "Die Experten haben zum Ausdruck gebracht, dass die Schutzwürdigkeit unseres Gebietes so hoch ist, dass sie es nicht gefährdet sehen, sondern glauben, dass das für die ganze Menschheit erhalten wird." Bundeskanzlerin Angela Merkel, gelernte Physikern, und darum mit der Mathematik auch gut vertraut, blickt bereits in die Zukunft: "Die Anerkennung ist eine große Ehre für die Länder der Welt sowie ein Meilenstein und Ansporn für die gemeinsamen internationalen Bemühungen bei der Lösung der anderen noch ungelösten Milleniumprobleme." Es werde deutlich, wie einzigartig die Mathematik sei. Der große Imagegewinn könne sich positiv auf die Zahl der Studierenden auch am Standort Deutschland in Europa und der Welt auswirken. Auch in Petersburg wurde die Nachricht mit Freude aufgenommen. "Das ist eine Auszeichnung, die ich nicht annehmen werde!", sagte Grigorij Perelman, 43, dem 2006 für die Lösung eines der berühmtesten Probleme der Mathematik die Fields-Medaille zuerkannt worden war. Er bewies die Poincaré-Vermutung. Diese besagt, vereinfacht gesagt, dass alle dreidimensionalen Räume ohne Löcher im Prinzip Kugeln sind. Perelman ist exzentrisch, er lehnte damals und bis heute die Entgegennahme der Ehrung brüsk ab. Für den Präsidenten der deutschen Mathematiker Vereinigung (DMV), Wolfgang Münster (Bayreuth), wurde mit der Unesco-Entscheidung der einzigartige und faszinierende Beitrag der Mathematik für die Geistesgeschichte seit dem ältesten Altertum honoriert. "Mathematik hat bei uns eine Tradition, die annähernd 10000 Jahre zurückreicht. Mit der Anerkennung nehmen wir den Auftrag an, dieses Erbe auch für die folgenden Generationen zu erhalten." Das Beispiel Dresden zeige aber auch, dass man den Schutz eines Welterbes nicht leichtfertig gefährden dürfe. Er forderte darum, dass man in der Mathematik auf neue Brücken künftig verzichten müsse: "Perelman und sein Beweis müssen die letzte große Veränderung gewesen sein, sonst wird man die Mathematik eines Tages nicht mehr so sehen können, wie sie heute ist." Nach Auffassung des BUMD "Bund unabhängiger Mathematiker Deutschlands" bleiben noch wichtige Zukunftsaufgaben. So seien bedeutende Forschungsvorhaben nicht ausreichend, vielmehr müssten alle Anstrengungen unternommen werden, die Breitenwirkung und tief verstandene Verankerung der Mathematik und ihrer Denkweise in der breiten Bevölkerung zu fördern: "Der Logarithmus war eine aussterbende Species, doch nun erwarte ich ein wieder auflebendes und dauerhaftes Interesse für seine Schönheit und deren Erhalt", so der BUMD-Sprecher Norbert Hansel. Es sei nun der Aufbau eines professionellen Rangersystems zur Publikumsinformation nötig. Mathematik muss Pflichtfach bis zum Abitur bleiben. Aus dem Bildungsministerium in Berlin hört man, dass man die Auszeichnung als Bestätigung der eigenen Hochschulpolitik ansehe, und zugleich auch als Ansporn für die anderen Hochschulfakultäten, auch dort solle man konzentriert für die schützenswerten Belange eintreten um diese zu stärken. Ein klares Bekenntnis aller beteiligten Nationen für ein zukunftsverträgliches, nachhaltiges Denksystem sei für den künftigen Studentenmagneten Mathematik unerlässlich. Kritiker sehen "Etikettenschwindel" Die netzweiten Matheliebhaber vom Matheplanet, renommiertes deutschsprachiges Internet-Portal, sprachen von einem "Etikettenschwindel". Die Zahl von 30 Millionen Mathematikern seit Adam und Eva sei viel zu gering geschätzt. Sie sei, eigenen Schätzungen zufolge, schon zu Zeiten von Hilberts Programm (1900) erreicht gewesen. Jetzt, nicht zuletzt dank eigener Bemühungen um Nachwuchsförderung, sei von einer jährlichen Steigerung um 1,2% auszugehen: "Wenn wir nicht wären, dann wären die Abbrecherquoten zu hoch." In ihrem Antrag hatte die ICM auch auf die Aktivitäten in der Mathematik verwiesen, die zu Beeinträchtigungen und Gefährdungen des neuen Status führen können. Dazu zählen das Abschreiben von Diplom-Arbeiten, das Führen von Beweisen anhand von Beispielen und die Reduktion komplexer Probleme auf computational effectiveness. Feierstunde am Nil Die ICM wird - stellvertretend für alle Mathematiker - die UNESCO-Urkunde anlässlich einer aufwändig inszenierten Feierstunde zu Füßen der Pyramiden von Gizeh entgegennehmen. Diese steht unter dem Motto: "Idempotenz statt Nilpotenz!" Dem Vernehmen nach soll dies in Person des frisch gekürten diesjährigen Abel-Preisträgers, Amerikaner John Tate, geschehen. Der vorgesehene Termin ist der 9.9.2010, das ist in der islamischen Welt der letzte Tag des Ramadan. Das UNESCO Weltkulturerbe Das UNESCO Weltkulturerbe ist eine feste Institution. 2003 war man der Meinung, dass der Mensch Kultur nicht nur in Form von großen und schönen Gebäuden ausdrückt. Wir bauen nicht nur Kultur, wir machen Kultur. Wir sind Kultur. Deswegen gibt es seitdem das "immaterielle Weltkulturerbe". Es schützt all die Formen von Kultur, die man nicht anfassen kann. Dazu zählen Brauchtum, Sprachen, Musik oder Handwerk. Die UNESCO unterhält eine so genannte "Liste der Meisterwerke". Darauf finden sich neunzig Beispiele, welche "die Vielfalt der Facetten menschlicher Kulturen" zeigen. Alles, was auf dieser Liste erwähnt wird, ist offiziell immaterielles Weltkulturerbe – und somit besonders schützenswert. abl/dpa/AP/AFP
\(\endgroup\)
Get link to this article Get link to this article  Printable version Printer-friendly version -  Choose language     Kommentare zeigen Comments  
pdfFür diesen Artikel gibt es keine pdf-Datei


Arbeitsgruppe Alexandria Dieser Artikel ist im Verzeichnis der Arbeitsgruppe Alexandria eingetragen:
: Mathematik :: Humor :
Weltkulturerbe Mathematik [von matroid]  
Mathematik wird Weltkulturerbe! Noch nicht gehört? Dann hier lesen.
[Die Arbeitsgruppe Alexandria katalogisiert die Artikel auf dem Matheplaneten]

 
 
Aufrufzähler 1385
 
Aufrufstatistik des Artikels
Insgesamt 25 externe Seitenaufrufe zwischen 2012.02 und 2021.07 [Anzeigen]
DomainAnzahlProz
http://google.de1768%68 %
https://google.com312%12 %
http://google.com28%8 %
https://google.de28%8 %
https://google.ch14%4 %

Häufige Aufrufer in früheren Monaten
Insgesamt 10 häufige Aufrufer [Anzeigen]
DatumAufrufer-URL
2013-2015 (10x)http://google.de/url?sa=t&rct=j&q=

[Top of page]

"Mathematik: Weltkulturerbe Mathematik" | 12 Comments
The authors of the comments are responsible for the content.

Re: Weltkulturerbe Mathematik
von: Curufin am: Do. 01. April 2010 12:38:13
\(\begingroup\)Hallo, sehr interessanter Artikel. Die Nachricht freut natürlich jeden, der sich mit Mathematik befasst. Was ich nicht so ganz verstehe, ist, worauf sich der Abschnitt mit dem Matheplaneten bezieht? Wer genau spricht von Etikettenschwindel? Viele Grüße\(\endgroup\)
 

Re: Weltkulturerbe Mathematik
von: nt4u am: Do. 01. April 2010 13:22:32
\(\begingroup\)Hallo Curufin, das Thema kam gestern im Chat auf, als matroid uns darum bat, seinen Artikel korrektur zu lesen. Er hat unseren Diskussionspunkt dann noch hinzugefügt. Gruß, nt4u\(\endgroup\)
 

Re: Weltkulturerbe Mathematik
von: Delastelle am: Do. 01. April 2010 14:20:17
\(\begingroup\)Hallo, natürlich sollte man jetzt aufpassen, dass niemand eine Brücke (z.B. zur Chemie) schlägt und der Welterbetitel damit in Gefahr kommt. Dies ist ja in Dresden passiert: de.wikipedia.org/wiki/Dresdner_Brückenstreit Viele Grüße Ronald \(\endgroup\)
 

Re: Weltkulturerbe Mathematik
von: gaussmath am: Do. 01. April 2010 15:18:38
\(\begingroup\)"Das Beispiel Dresden zeige aber auch, dass man den Schutz eines Welterbes nicht leichtfertig gefährden dürfe. Er forderte darum, dass man in der Mathematik auf neue Brücken künftig verzichten müssen: "Perelman und sein Beweis müssen die letzte große Veränderung gewesen sein, sonst wird man die Mathematik eines Tages nicht mehr so sehen können, wie sie heute ist." " Was soll das denn heißen? Soll die Forschung nun eingestellt werden? Wurde ein Stichtag erreicht, vom dem an die Mathematik nicht mehr verändert werden darf? Ich verstehe diesen Abschnitt nicht.\(\endgroup\)
 

Re: Weltkulturerbe Mathematik
von: Meren-Adven am: Do. 01. April 2010 15:54:58
\(\begingroup\)Da bleibt mir nur noch zu grinsen, herrlich.\(\endgroup\)
 

Re: Weltkulturerbe Mathematik
von: fru am: Do. 01. April 2010 15:58:04
\(\begingroup\)\quoteon(2010-04-01 15:18:38 - gaussmath) Was soll das denn heißen? Soll die Forschung nun eingestellt werden? \quoteoff Ja, leider: Wo viel Licht ist, gibt es auch viel Schatten! So eine hohe Auszeichnung ist eben auch mit Nachteilen verbunden, die wir aber akzeptieren müssen. Sieh es doch einfach mal so: In den letzten Jahrzehnten ist das mathematische Wissen der Menschheit ohnehin in einem derart gigantischen Ausmaß (es verdoppelt sich zur Zeit alle paar Jahre und wächst superexponentiell) explodiert, daß schon lange niemand mehr auch nur annäherungsweise einen Überblick behalten kann. Wenn nun durch den Forschungsstop geistige Kapazitäten frei werden, so können wir vielleicht erwarten, daß das zur Zeit Bestehende endlich vom vielen Mist befreit wird, den es jetzt noch enthält. Danach werden wir hoffentlich wieder in den Garten Eden zurückkehren können, in dem unsere Wissenschaft noch einen halbwegs überschaubaren Umfang hatte. \(\endgroup\)
 

Re: Weltkulturerbe Mathematik
von: gaussmath am: Do. 01. April 2010 16:53:55
\(\begingroup\)@fru: Das muss dir diebische Freude bereitet haben, oder? 😛 \(\endgroup\)
 

Re: Weltkulturerbe Mathematik
von: Jonathan_Scholbach am: Do. 01. April 2010 18:00:38
\(\begingroup\)Ein sehr guter Artikel. "Idempotenz statt Nilpotenz!"\(\endgroup\)
 

Re: Weltkulturerbe Mathematik
von: Bernhard am: Fr. 02. April 2010 01:35:13
\(\begingroup\)Super Spaß gemacht! \quoteonnatürlich sollte man jetzt aufpassen, dass niemand eine Brücke (z.B. zur Chemie) schlägt und der Welterbetitel damit in Gefahr kommt. \quoteoff Man bedenke aber, daß die Brücken in die andere Richtung geschlagen werden: Wer hat die Nanotechnologie erfunden? Mandelbrod & Co.! Und wer will sie heut' haben? Wer bettelt heute nach immer raffinierteren Algorithmen? Google & Genossen! Wer will immer neue statistische Analysierungsmethoden? Die Kultus- und Umweltminister! (Da bin ich mir allerdings nicht ganz sicher, ob die von Mathematikern oder von Astrologen gemacht werden.. 😁 ) Bernhard\(\endgroup\)
 

Re: Weltkulturerbe Mathematik
von: matroid am: Fr. 02. April 2010 09:46:43
\(\begingroup\)April, April! Danke fürs Mitmachen. Vor allem über gaussmaths Empörung habe ich mich sehr gefreut und über die "Brücken zur Chemie". Beste Grüße Matroid\(\endgroup\)
 

Re: Weltkulturerbe Mathematik
von: gaussmath am: Sa. 03. April 2010 14:49:13
\(\begingroup\)@Matroid: Schön, dass auch Du diebische Freude dabei empfunden hast. 😁 Wer hat den Text eigentlich geschrieben?\(\endgroup\)
 

Re: Weltkulturerbe Mathematik
von: matroid am: Sa. 03. April 2010 15:39:07
\(\begingroup\)Na, ich. ... wobei, natürlich, ich hatte die Eloge auf das Wattenmeer kurz vorher gelesen. Ersetze dann 'Wattenmeer' durch 'Mathematik' und schon hat man einen guten ersten Entwurf. \(\endgroup\)
 

 
All logos and trademarks in this site are property of their respective owner. The comments are property of their posters, all the rest © 2001-2021 by Matroids Matheplanet
This web site was originally made with PHP-Nuke, a former web portal system written in PHP that seems no longer to be maintained nor supported. PHP-Nuke is Free Software released under the GNU/GPL license.
Ich distanziere mich von rechtswidrigen oder anstößigen Inhalten, die sich trotz aufmerksamer Prüfung hinter hier verwendeten Links verbergen mögen.
Lesen Sie die Nutzungsbedingungen, die Distanzierung, die Datenschutzerklärung und das Impressum.
[Seitenanfang]