buhs Montagsreport: Wie viel Erfolg ist Mensch?
Released by buh on Mo. 26. Juli 2004 00:00:10 [Statistics]
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Matroids Matheplanet

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‘Radsportler‘ Wie viel Erfolg ist Mensch?

Berlin. Alle Zahlen der Tour sind gesagt, die letzte Etappe zwingt alle Reporter dazu. Aber wen interessiert, dass 1904 vier Monate nach Abschluss die drei Erstplatzierten disqualifiziert* wurden und wir selbigem Jahr damit auch den jüngsten Toursieger**, der eben noch Vierter war, verdanken? Wer will schon wissen, wie groß die Quersummenquersumme der Trikotnummern der Fahrer der letzten Etappe ist? Alles dreht sich nur um eine Frage: Ist ein Mensch, der die Fünffach-Heroen ins Heldengrab verlegt hat, der gnaden- und mitleidlos alles und alle für seinen 6. Sieg in Grund und Boden fuhr, noch ein Mensch?



Wohlgemerkt will ich nicht über Doping, eigenartige (Nicht)-Ausschlüsse oder gar teutonisches Heulsusentum*** schreiben. Aber:
Ängstigt nicht die Allmacht des schnellsten, stärksten Cyclisten, der mehr als Cyclop erscheint?
Was bewegt einen, der festlegt, wer die Etappe gewinnt?
Muss man als Champion unbedingt alles, was man gewinnen kann, auch herbeizwingen?
Sven Hannawald hat als Erster alle vier Stationen einer Vierschanzentournee gewonnen. Jetzt sitzt er neben mir auf der Couch und lässt sein BurnOut-Syndrom analysieren. Sollten wir schon mal einen Platz neben uns für Lance freihalten?
Steven Hawkings Wort ist den Physikern mehr wert als drei vollständige Sätze Gottes. Jetzt hat Gott Hawking mitgeteilt, er habe sich geirrt: Auch schwarze Löcher geben etwas zurück. Das macht ihn für uns menschlich; er irrt und gibt es zu.
Was also macht Lance Armstrong falsch? Nichts, eigentlich. Er ist nicht mehr und nicht weniger besessen als Andrew Wiles; und wer hat diesen ob seines Erfolges gescholten?? Er ist so, wie einen jeder Boss, jede Firma haben möchte: Das Ziel bestimmt alles. Unbedingt. Ohne Ausnahme.
Und er ist nicht schwach, in keiner Weise. Er ist hier vollkommen.
Wir aber glauben, dass das Menschliche die Schwäche ist: das Irren, das Verzeihen, das Teilen. Teilt Jürgen Schrempp sein Gehalt mit dir??

Alle Zahlen der Tour sind gesagt. Und das Fazit scheint gezogen: Die Menschen bewundern den Sieg des Roboters.
Und er ist nicht schwach, in keiner Weise. Er ist hier vollkommen. Vielleicht ist gerade das seine Schwäche, sein Menschsein.
Ich bewundere Lance Armstrong. Ich bewundere Jens Voigt. Ich bewundere jeden, der am Ziel dieser Tour ankommt.
Und dass Größe zu Großmut, Kraft zu Fairness, Macht zu Gerechtigkeit führt,

wünscht (sich)

buh2k + 4

*: Selbige hatten einige Etappen etwas „abgekürzt“, zum Teil mittels der französischen Eisenbahn. Heute nennt man so etwas „erfolgsorientiert“, es ist aber so kaum noch realisierbar; unter anderem, weil die Fahrer inzwischen schneller sind als die Bahn.
**: Henri Cornet (19 Jahre, 11 Monate und 20 Tage)
***: Jens Voigt hat seinen Job gemacht; und er hat ihn gut gemacht.
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Wie viel Erfolg ist Mensch? [von buh]  
Berlin. Alle Zahlen der Tour sind gesagt, die letzte Etappe zwingt alle Reporter dazu. Aber wen interessiert, dass 1904 vier Monate nach Abschluss die drei Erstplatzierten disqualifiziert* wurden und wir selbigem Jahr damit auch den jüngsten Toursieger**, der eben
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"buhs Montagsreport: Wie viel Erfolg ist Mensch?" | 6 Comments
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Re: Wie viel Erfolg ist Mensch?
von: arthur am: Mo. 26. Juli 2004 00:51:13
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Deine Bewunderung für Jens Voigt teile ich voll und ganz, und zwar nicht nur sportlich, sondern vor allem menschlich. Für mich ist er der Sympathieträger des deutschen Radsports, auch wenn wir noch erfolgreichere Fahrer (Klöden, Ullrich) haben.
Was Lance Armstrong angeht... Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass ein Mensch nach solch einer schweren Krankheit wie Krebs stärker ist als je zuvor und 6 mal die Tour de France gewinnt. Da geht was nicht mit rechten Dingen zu.
Ich mag mich damit sehr weit aus dem Fenster lehnen, aber manches mutet schon sehr seltsam an. Da steigt ein Roberto Heras, letztes Jahr noch im Team US Postal und Tour-Sechster, in den Alpen entkräftet vom Rad und gibt auf. Hinzu kommen die regelmäßigen Doping-Vorwürfe gegen Armstrongs Team.
Und selbst wenn sich all diese Verdächtigungen als falsch erweisen sollten, ist Lance Armstrong in meinen Augen zwar ein erfolgreicher, aber kein großer Fahrer. Denn "Größe" hat er wahrlich nicht gezeigt. Aber das noch weiter auszuführen spar ich mir mal...
Trotz allem ein weiterer lesenswerter Montagsreport von dir, buh.

Gruß Arthur\(\endgroup\)
 

Re: Wie viel Erfolg ist Mensch?
von: Germanicus am: Mo. 26. Juli 2004 20:15:28
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Also ich bewundere alle, die so etwas durchhalten. Ich weiss zwar nicht, ob einer hier radelt, aber glaubt mir, es ist SCHWEINEMÄSSIG schwer auch nur eine Etappe im Hauptfeld mitzuhalten! Und so zwischendurch n paar Berge...
Irgendwie hat mir die Tour mehr Spass gemacht als die Fussball EM.

Die hässliche Seite: Erinnert ihr euch an den Gestürzten: Rippenbruch, Bluteinbruch in die Lunge, wimmernd auf dem Boden liegend...und dann kommt da dieser asoziale Sprinter und schnauzt den Liegenden an!! (weil er ein paar Sekunden durch ihn verloren hatte).

Schöne Sportwelt?\(\endgroup\)
 

Re: Wie viel Erfolg ist Mensch?
von: huepfer am: Mo. 26. Juli 2004 21:36:12
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Schöner Montagsbericht. Vom "Cyclopen" habe ich zwar noch nichts gehört, aber der gefällt mir sehr gut:-)

Gruß
  Felix\(\endgroup\)
 

Re: Wie viel Erfolg ist Mensch?
von: buh am: Mo. 26. Juli 2004 22:08:05
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Cyclop: Einäugiger Riese aus der "Ilias". (Wurde von Odysseus, der sich "Niemand" nannte, geblendet.)
Siehe auch:
Cyclops: Kleinkrebs, dem Wasserfloh ähnlich.

Gruß von buh\(\endgroup\)
 

Re: Wie viel Erfolg ist Mensch?
von: huepfer am: Mo. 26. Juli 2004 22:40:49
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Um den "niemand" noch in den aktuellen Zusammenhang zu rücken. Man nennt ihn auhc "Nemo".
Und, dass das nicht die ganze Anspielung ist, sollte ja wohl auch klar sein. ;-)

Gruß
  Felix\(\endgroup\)
 

Re: Wie viel Erfolg ist Mensch?
von: chrissy am: Di. 27. Juli 2004 23:19:08
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@ germanicus
da kann ich dir nur zustimmen, ich bewundere auch all die Rennradfahrer die sich Tag für Tag quälen, habe hohen Respekt vor denen die das als Leistungssport betreiben.(ich weiß wie schwer es ist, es "nur" mal zu schaffen im Feld zu bleiben)
Ist schon erschreckend wie häufig Stürze sind...

Gruß Chrissy
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