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Universität/Hochschule Teleskop für Mond/Kometen
ZePhoCa
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Dabei seit: 15.09.2010
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Themenstart: 2020-08-07


Hallo,

angelehnt an den Thread "Hilfsmittel zur Jupiterbeobachtung" hätte ich mal folgende Fragen:

1. Wenn ich den Mond und "erdnahe" Kometen (wie zum Beispiel letztens NEOWISE) gut(*) beobachten/sehen möchte, welches Teleskop wäre da zu empfehlen? Braucht es außer einem Teleskop noch weiteres Equipment?
2. Wenn ich einigermaßen gute(*) Bilder davon machen möchte, geht das mit einem Teleskop und einer guten Smartphone-Kamera, oder bräuchte es dafür eine extra Kamera?
3. Welche weiteren Himmelskörper wären mit obigem Setup beobachtbar?

Ich bin "Sternguckerneuling", habe also ingesamt keine Ahnung von alledem.

(*) gut habe ich hier aus folgendem Grund nicht quantifiziert: Nach meiner Vorstellung würde ich gerne Equipment im unteren dreistelligen Kostenbereich anschaffen. Je nachdem welche Qualitätsunterschiede mit welchen Kostenunterschieden einhergehen wäre ich bereit bei dem einen oder anderen Abstriche zu machen.



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Scynja
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.1, eingetragen 2020-08-07


Hallo ZePhoCa,

Bezüglich zusätzlichem Equipment habe ich gelesen, dass abhängig von deinem Wohnort, ein Auto, ein Klappstuhl, Proviant und eine warme Decke sehr hilfreich sind.



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Delastelle
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.2, eingetragen 2020-08-08


Hallo ZePhoCa!

Ich bin ein Fan von Spiegelreflexkameras.
Damit habe ich ein paar Astrobilder fotografiert.

Dazu gibt es auch noch Adapter um Teleobjektive als Teleskop zu benutzen.
(gebrauchte für Leica, Minolta MD oder neu für Canon, Sony, Pentax, Nikon(?))
Z.B. lens2scope:
www.amazon.de/s

Ist nur meine Meinung.

Viele Grüße
Ronald



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MontyPythagoras
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Dabei seit: 13.05.2014
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.3, eingetragen 2020-08-08


Hallo ZePhoCa,
Hobby-Astronomie ist ein schönes Hobby, in welches man viel Zeit und auch Geld investieren kann. Wenn Du eher Gelegenheitsgucker bleiben willst, benötigst Du ganz anderes Equipment als jemand, der das jeden zweiten Tag in jeder freien Minute betreiben will.
Die Ansprüche wachsen mit der Erfahrung und dem Können, was Du aber noch nicht hast. Ich könnte stundenlang darüber erzählen, was man alles an Equipment zu Teleskopen gebrauchen kann: Okulare (mit Zoom oder ohne), Korrektorlinsen, Barlow-Linsen, Filter, Filterräder- oder -Kassetten, Sucher, Autoguiding-Kameras, Polwiegen, Field-Flattener, Field-Derotater, Schwingungsdämpfer, Bahtinov-Masken, Kollimationslaser, Tauschutzkappen, Spiegel- und Okularheizung, tonnenweise Adapter für alles mögliche, Software ohne Ende. Aber das bringt alles nichts. Die Gefahr ist groß, wenn Du Neuling bist, dass Dir irgendjemand etwas aufschwatzt, was Du später überhaupt nicht brauchst, was für Deine Zwecke ungeeignet ist und dann doch nur ungenutzt in der Ecke liegt.
Es gibt in vielen Städten Vereine von Hobby-Astronomen, die Schnuppertage anbieten. (Wie das im Moment mit Corona ist, kann ich Dir allerdings nicht sagen). Es wäre eine gute Idee, da einfach mal hinzugehen und kostenlos durch unterschiedliche Geräte hindurchzublicken.
Als Gelegenheitsgucker tut es vielleicht tatsächlich schon ein lichtstarkes Fernglas oder Spektiv, welches man auf ein Stativ montieren kann. Ein Fernglas ist natürlich sehr mobil und Du kannst es auch für Urlaube, Wanderungen etc. bei Tageslicht benutzen, nicht nur im Dunkeln. Es gibt Adapter für Handys, die man an manche Geräte montieren kann, um direkt das visuelle Bild abzufotografieren. Diese Bilder werden oft schon ganz gut.
Spiegelreflexkameras mit Stativ und Tele sind ebenfalls eine ganz gute Alternative für Gelegenheitsgucker, weil es Allzweckwaffen sind und man damit heute den Mond, morgen ein Portrait und übermorgen die Landschaft fotografieren kann. Folgendes Bild habe ich vor gut 14 Jahren mal mit einer Canos EOS350D und einem 300er Teleobjektiv gemacht:

Mit einem Teleskop geht da natürlich deutlich mehr:
Und das ist kein optimiertes Bild aus x übereinander gelegten Einzelaufnahmen, sondern ein Bild aus einer einzigen Kurzzeitbelichtung - was beim Mond auch reicht, weil er so hell ist.

Langzeitbelichtungen an Teleskopen werden oft mit Spiegelreflexkameras gemacht (siehe die sehr schönen Bilder von Tobi in diesem Thread), die man hinten mit oder ohne Okular ans Teleskop montiert. Die Fotos, die ich von Jupiter im anderen Thread eingestellt hatte, wurden allerdings mit einer speziellen Teleskopkamera gemacht. Die Preise sind nach oben offen, wie bei allem, was Teleskope angeht.

Daher noch einmal meine Empfehlung: suche nach Vereinen von Hobby-Astronomen in Deiner Nähe und sieh Dir ein paar Geräte vom unteren bis zum oberen Ende der Skala mal an. Auch manche Astronomie-Shops machen gelegentlich Schnuppertage (nicht ohne Eigennutz, natürlich...).

Ciao,

Thomas



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MontyPythagoras
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.4, eingetragen 2020-08-08


Ergänzung:
auf dieser Seite

kann man sich ziemlich schlau lesen. Es gibt FAQs, technische Erklärungen aber auch Empfehlungen für Einsteiger etc. bezüglich Teleskopen, Ferngläsern und Astrofotografie.
Sehr lesenswert für jeden, der in das Hobby Astronomie einsteigen möchte. (Es gibt auch ein Kapitel über Kaufhausteleskope...)

Ciao,

Thomas



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ZePhoCa
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.5, vom Themenstarter, eingetragen 2020-08-10


Vielen Dank schonmal für die Informationen. Die Seite werde ich mir mal ansehen :)

Ist denn das zweite Bild durch ein Teleskop das in meinem vorgestellten Preisrahmen ist oder müsste man dafür schon mehr ausgeben?



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MontyPythagoras
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.6, eingetragen 2020-08-10


Hallo ZePhoCa,
das Bild habe ich mit meinem jetzigen Teleskop gemacht, aber Du bekommst vergleichbare Bilder vom Mond sicher auch schon hin mit Teleskopen mit Durchmessern um 120mm.
Die günstigesten für Einsteiger mit einigermaßen Durchmesser sind sicherlich Newton-Reflektoren mit Durchmessern von 114 oder 127mm. Ich würde für Fotografie außerdem dazu raten, zumindest eine motorische Nachführung zu nehmen. Es gibt Teleskope in der 300€-Klasse, die schon eine solche haben. Ich möchte Dir aber kein Gerät empfehlen, welches ich nicht selbst kenne, daher verweise ich noch einmal auf meine Empfehlung oben.
Dazu kommen mindestens Adapterringe für die jeweilige Kamera, aber ich würde erst einmal mit Beobachtung anfangen und Erfahrung sammeln, bevor Du den nächsten Schritt in Richtung Astro-Fotografie machst.

Ciao,

Thomas



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ZePhoCa
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.7, vom Themenstarter, eingetragen 2020-09-09 19:10


Hallo Thomas,

ich habe es jetzt (endlich) geschafft, mich etwas einzulesen. Ich hatte auf der von dir verlinkten Seite auch 2 Teleskope gefunden, die sich für mich ganz passend angehört haben: Omegon Teleskop N 114/900 EQ-1 und Omegon Teleskop N 130/920 EQ-2. Du hattest ja geschrieben, dass du ungern Teleskope empfehlen willst, die du nicht kennst (was ich auch verstehe). Kannst du denn sagen, ob die technischen Daten der Teleskope in etwa zu dem passen, was ich mir vorstelle? Die beiden haben keine motorische Nachführung, da hatte ich nichts passendes gefunden (und hatte auch gelesen, dass man die nachrüsten kann).



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MontyPythagoras
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.8, eingetragen 2020-09-09 22:35


Hallo Zephoca,
hast Du Dir dieses auch angesehen:

Es hat immerhin einen Nachführmotor für die Rektaszension, was zumindest die Eigendrehung der Erde ausgleicht. Und es kostet sogar 30€ weniger als das größere Modell von Omegon.
130mm ist schon eine ganz gute Größe für den Preis. Für Deine geplanten Zwecke sollte es passen. Trotzdem gilt immer noch: ich kenne beide Geräte nicht, Kauf auf eigenes Risiko.
Du wirst schon noch ein bisschen was an Zubehör brauchen, allen voran gute Okulare. Plane mittelfristig noch einmal die gleiche Summe für zwei Okulare und vielleicht eine Barlow-Linse ein.

Edit: Der Preis wurde über Nacht um 30€ erhöht. 😒 Ob die hier mitlesen?

VORSICHT: Achte bei Preisvergleichen dieses Modells auf den Code "MD" hinter "EQ". Nur wenn "MD" (= "motor drive") dabei steht, hat es den Nachführmotor im Paket drin, die Geräte ohne MD haben keinen!

Und wie man sieht:

...stehen Weihnachten und die Astro-Saison vor der Tür. Der bessere Zeitpunkt, ein Teleskop in dieser Preislage zu kaufen, ist wohl im März.

Ciao,

Thomas



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ZePhoCa
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.9, vom Themenstarter, eingetragen 2020-09-16 00:11


Hallo Thomas,

so 500-600€ (inkl. des von dir empfohlenen Zubehörs auf längere Sicht) wäre schon etwas viel dafür dass ich das Ganze nur ab und zu zum Spaß machen will.

Bei den 3 Teleskopen sind ja Okulare dabei, bräuchte man den unbedingt noch weitere? Und bei dem einen (Omegon Teleskop N 114/900) ist ja auch eine Barlow-Linse dabei. Da würde sich mir dann die Frage stellen, ob das dann für die Mondbeobachtung schon ausreichen würde. Genauso mit der Nachführung: Mir ist klar, dass sich die Himmelskörper und die Erde bewegen und sich deshalb das zu beobachtende Objekt aus dem Sichtfeld bewegt. Wie schnell passiert das denn bei dem Mond bei der Vergrößerung die wir hier haben? Wie wichtig ist also die Nachführung?



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MontyPythagoras
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.10, eingetragen 2020-09-16 07:45


Hallo ZePhoCa,
ich kann ja mal bei Gelegenheit in meinem Teleskop die Nachführung abschalten und davon ein Video einstellen, dann kannst Du es mit eigenen Augen sehen, wie schnell der Mond und die Planeten durch das Bild flitzen. Bei einer halben Sekunde Belichtungszeit gibt das schon eine deutliche Bewegungsunschärfe.
Zu Okularen findest Du im Internet epische Behandlungen und Bewertungen von echten und selbsternannten Experten. Es muss nicht gleich ein High-End-Okular sein in der Kategorie 300€ oder höher (pro Stück), aber Tatsache ist auch, dass die den Teleskopen in dieser Preiskategorie beiliegenden Okulare nicht toll sind und einem den Spaß schon verderben können. Ich habe jetzt nicht viel Zeit und kann nachher noch einmal ein bisschen mehr schreiben.
Es gibt grob gefasst drei wichtige Eigenschaften bei Okularen:
1. Die Abbildungsqualität
2. Der Linsendurchmesser
3. Der Augenabstand
Präzise Linsen sind grundsätzlich teuer in der Herstellung. Jeder, der eine Brille hat, weiß das. Ein Okular hat je nach Bauart 3 bis 8 Linsen hintereinander. Wenn ein sehr gutes Okular 300€ kostet, und Du kaufst ein preiswertes Teleskop für 300€ insgesamt, in dem neben dem Tubus, dem Stativ und einem Nachführmotor auch noch 2 Okulare und eine Barlow-Linse enthalten sind, wie viel können die Okulare taugen? Die beigefügten Okulare sind in der Kategorie 1 meist noch ganz Okay für den Gelegenheitsgucker, aber sie sind meist schlecht in den Kategorien 2 und 3. Dazu nachher mehr.

Ciao,

Thomas



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MontyPythagoras
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.11, eingetragen 2020-09-16 15:27


Fortsetzung...

Lass mich zunächst noch eine weitere wichtige Kategorie mit hinzunehmen, die ich erst unter der Kategorie 1 "Abbildungsqualität" verwursten wollte, die aber für sich betrachtet auch wichtig ist:
4. Das FOV ("Field of view", also das Gesichtsfeld)

Lass uns damit direkt anfangen. Es gibt zig Bauformen an Okularen, einige davon haben unterschiedlich Stärken und Schwächen, manche haben nur Schwächen. Das liegt daran, dass diese vor Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten entwickelt wurden, als man mit möglichst wenigen Linsen auskommen wollte, weil die halt teuer in der Herstellung waren. Okulare mit wenigen Linsen haben häufig diverse Abbildungsfehler. Überfliege allein das Inhaltsverzeichnis des Wiki-Artikels zu den Abbildungsfehlern, das reicht schon. Abbildungsfehler kann man oft korrigieren, und zwar durch weitere Linsen, was das Okular teurer macht.
Die Okulare, die den Teleskopssets beiliegen, sind meistens Kellner-Okulare, die drei Linsen enthalten. Kellner-Okulare haben ein Gesichtsfeld von typischerweise 45°, was bedeutet, dass Du, wenn Du hineinblickst, ein kreisförmiges Bild vor Dir hast, dessen Rand Du unter einem Winkel gegen die Mittelachse von 22,5° siehst. Das ist recht eng und erzeugt ein Tunnelblick-Gefühl.
Außerdem sind sie kaum gegen Abbildungsfehler korrigiert, das Bild wirkt unnatürlich. Du bekommst regenbogenartige Farbsäume selbst um Sterne, die ein weißlicher Punkt sein sollten, Du hast Verzerrungen, als wenn Du durch einen Flaschenboden guckst (natürlich nicht so extrem, aber schon deutlich sichtbar kissenartig verformt usw.), ein Stern wird an den Außenrändern des FOV zu einer radialen Linie verzerrt und so weiter.
Also in Kategorie 1 und 4 sind die den Teleskopen beiliegenden Okulare meist mangelhaft. Außerdem haben sie eine kleine sogenannte Austrittspupille. Das ist der Öffnungsdurchmesser direkt vor Deinem Auge. Eine zu kleine Austrittspupille bewirkt, dass Du schon mit einer leichten Kopfbewegung sofort mit dem Auge von der Linse weg bist und das Bild damit sofort vor Deinem Auge verschwindet. Es ist sehr anstrengend, den Kopf so still zu halten, dass das Bild nicht permanent abgeschattet wird - erst recht, wenn Du von Hand nachführen willst. Zu groß darf die Austrittspupille auch nicht sein, weil dann Licht an Deiner Pupille verbei leuchtet und effektiv verloren geht. Kategorie 2 dieses Okulars: auch nicht doll.
Letztlich bleibt noch die Kategorie 3, "Eye relief", also Augenabstand. Bei guten Okularen ist der Fokuspunkt so gesetzt, dass Du ein scharfes Bild siehst, wenn das Auge 10-15mm hinter der Linse ist. Das ist ganz angenehm, weil Du dann auch mit dem Kopf ein wenig vor- und zurückschwanken kannst, ohne gleich alles aus dem Blick zu verlieren, das Teleskop mit dem Kopf anzustoßen oder mit den Wimpern über die Linse zu wischen. Das verdreckt die Linse und ist außerdem unangenehm am Auge. Ein Kellner-Okular brilliert auch hier nicht.
Es gibt hochkorrigierte Okulare mit 6, 7, 8 Linsen, Riesenaugenabstand und 100° oder sogar 110° FOV. Wenn Du dann geradeaus guckst oder sogar leicht außerhalb der Mittelachse kannst Du den Rand gar nicht sehen. Man spricht da etwas euphemistisch vom "Space Walk" Gefühl oder Effekt, als würdest Du selbst im Raum schweben. Natürlich sind die Dinger teuer, und natürlich sollte man die nicht als erstes kaufen, aber Du wirst bei den beiliegenden Okularen sehr schnell an die Grenzen stoßen, und es wäre schade, wenn Du dann glauben würdest, das wäre das Ende der Fahnenstange.
Bei manchen Teleskopen verstehe ich auch die Produktpolitik nicht. Nehmen wir als Beispiel das Kaufhausteleskop, dass ein offenkundig unerfahrener User im anderen Thread zur Jupiterbeobachtung vorgeschlagen hatte:

Dem Teleskop liegen drei Okulare bei, 4mm, 12,5mm und 20mm, sowie eine 3fach-Barlow-Linse. Eine Barlow wird ja verwendet, um die Vergrößerung mit einem gegebenen Okular um den Faktor 3 zu vergrößern (natürlich bei gleichzeitiger Verringerung der Lichtstärke um den Faktor 9). Die gewollte Wirkung ist, dass Du nicht 3 Okulare hast, sondern in Kombination mit der Barlow quasi sechs, indem Du die Okularbrennweiten noch durch den Barlow-Faktor teilst. Z.B. hat ein 12mm Okular mit einer 3-fach-Barlow die Wirkung wie ein 4mm Okular.
Klingt super. Ich möchte jetzt gar nicht darauf eingehen, dass eine billige Barlowlinse weitere Abbildungsfehler einbringt oder vorhandene verschlimmert. Bleiben wir bei der Mathematik. Die obige Okularreihe 4, 12,5 und 20 wird also durch die Barlow-Linse erweitert auf 4mm/3=1,333mm, 12,5mm/3=4,166mm und 20mm/3=6,666mm. Was haben wir gewonnen? Fast nix. Das 4mm-Okular mit der 3fach-Barlow zu kombinieren macht keinen Sinn, dann bleibt das Bild praktisch schwarz, wie in dem Jupiter-Thread erläutert. Das 12,5mm-Okular mit der Barlow zu kombinieren macht auch keinen Sinn, denn 4,16mm gegenüber dem 4mm ohne Barlow macht keinen wahrnehmbaren Unterschied, aber das Bild ist mit dem 4mm ohne Barlow garantiert besser. Der einzige sinnvolle Einsatz der Barlow-Linse ist daher in Kombination mit dem 20mm-Okular. Da hätte man aber auch ein 7mm-Okular beilegen können, das hätte genauso wenig gekostet und wäre in der Bildqualität besser als das 20er mit billiger Barlow.
Es gibt nur genau einen Grund für diese irrwitzige Kombination: mit dem 4mm-Okular und 3-fach Barlow kann man als Anbieter behaupten, das Teleskop hätte eine maximale Vergrößerung von 525-fach - was man dann wahrscheinlich auch werbewirksam außen auf den Karton schreibt. Aber sehen kannst Du damit nichts, jedenfalls nicht am lichtschwachen Nachthimmel, sondern höchstens bei Sonnenlicht.
Bei dem oben von mir vorgeschlagenen Teleskop von Celestron sind anscheinend ein 10er und ein 20er-Okular dabei, und keine sinnlose Barlow-Linse. Das ist zumindest eine ganz vernünftige Startausrüstung. Bei 130mm Öffnungsdurchmesser ist die maximal sinnvolle Vergrößerung 260-fach, dafür würdest Du bei diesem Produkt ein 2,5mm-Okular benötigen. Aber dafür benötigst Du schon wieder ideale Sichtbedingungen. Ich würde daher eher mit 4mm starten, denn was nützt Dir ein Okular für eine Vergrößerung, die Du nur sehr selten verwenden kannst. Unter Einsatz einer recht guten Barlow-Linse (die meistens nur 2fach vergrößern, denn je größer, desto schlimmer die Abbildungsfehler), würde ich folgende Kombi vorschlagen:
8mm-Okular und 13mm-Okular und eine 2x-Barlow
Warum? Mit Barlow und den beiden beiliegenden Okularen der Erstausrüstung hast Du dann folgende Brennweiten zur Verfügung
4mm (8mm mit B)
5mm (10mm mit B)
6,5mm (13mm mit B)
8mm ohne B
10mm ohne B
13mm ohne B
20mm ohne B
und somit eine relativ feine Abstufung, was man immer gerne haben möchte. Die erste Investition wäre dann die (gute) 2x-Barlow, weil Du damit mit dem 10er Grundausstattungsokular auf 5mm runterkommst.

Ciao,

Thomas



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