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Universität/Hochschule Mathematik studieren als Hobby - Macht das Sinn? Wie weit kann man damit kommen?
Pi_Quadrat
Neu Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 08.05.2022
Mitteilungen: 3
  Themenstart: 2022-05-08

Hallo liebe Community, schön, dass es so ein Forum wie dieses hier gibt. Ich würde mir in diesem Thread gerne Meinungen aber auch Tipps holen von anderen Mathematikern und Mathematik-Begeisterten zu meiner derzeitigen Situation, da ich momentan ein bisschen unschlüssig und ratlos bin... Zu meiner Vorgeschichte: Mathematik und auch das Studium der Mathematik ist mir nicht unvertraut - ich habe vor einiger Zeit nämlich tatsächlich Mathematik studiert und auch abgeschlossen, zumindest den Bachelor. Danach habe ich die Mathematik mehr oder weniger "verlassen" und bin ins Berufsleben eingestiegen - in einem Bereich, der mit Mathematik aber gar nichts zu tun hatte. So ging das dann mehrere Jahre und die Mathematik geriet mehr und mehr in den Hintergrund - schließlich hatte ich beruflich ja nichts mehr mit ihr zu tun und auch privat beschäftigte ich mich kaum mehr mit ihr. Jetzt ist es seit einiger Zeit so, dass ich merke, dass mein Interesse an der Mathematik langsam wieder etwas aufflammt. Ob das auch nachhaltig ist, vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen 😁 Jedenfalls ist es so, dass in mir der Gedanke gereift ist, mich zukünftig vielleicht hobbymäßig, also in meiner Freizeit, mit der Mathematik bzw. mit dem Mathematik-Studium zu beschäftigen. Ein möglicher Plan könnte so sein, dass ich mich beispielsweise wieder für das Mathematikstudium inskribiere, den Master mache, vielleicht auch noch PhD und einfach mal schauen wo es mich hinführt. Denn das ist vielleicht der wesentliche Kernpunkt an der ganzen Idee: Ich würde das Mathematikstudium wirklich nur als eine Art Hobby betreiben, einfach weil es mir Spaß macht, mich damit zu beschäftigen und weil es mich interessiert, ich habe also nicht vor, damit Karriere machen zu wollen, sondern das Studium würde ich einfach nur aus purem Interesse und Spaß an der Sache machen. Dementsprechend würde ich mich auch nur in dem Ausmaß mit dem Studium der Mathematik beschäftigen wie ich gerade Lust und Laune habe - mal mehr, mal weniger. Das heißt wenn ich mal einige Zeit gar keine Lust habe, mich mit Mathematik zu beschäftigen, dann würde ich eben gar nichts tun dafür, also eben wie ein Hobby, mit dem man sich nach Lust und Laune beschäftigt. Jetzt wären meine Fragen: Macht so etwas "Sinn"? Wie weit könnte man mit dieser Herangehensweise tatsächlich kommen? Wie tief kann man da in die Materie einsteigen und mit denjenigen Schritt halten (vom Niveau und Wissensstand her), die sich wirklich tagtäglich damit beschäftigen (Studenten, Professoren etc.)? Oder bleibt man da nur "Amateur" und kann mit den "Großen" so gut wie kaum mithalten? Und: Gibt es hier auch andere, die das so machen wie ich es vorhabe? Bzw. kennt ihr Personen, die das auf diese Art und Weise erfolgreich betreiben? Vielen Dank an dieser Stelle schon mal fürs Durchlesen. Würde mich über eure Tipps und Meinungen sehr freuen. Liebe Grüße Pi_Quadrat


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Triceratops
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  Beitrag No.1, eingetragen 2022-05-08

Willkommen im Forum, Pi_Quadrat*. Das klingt nach einem schönen Vorhaben. Wenn es dich interessiert und du die zeitlichen und finanziellen Resourcen dafür hast, spricht erst einmal nichts dagegen. Allerdings frage ich mich gerade, warum du eigentlich den Rahmen eines eingeschriebenen Studiums brauchst? Es ist nicht ganz so passend, hier nur hin und wieder Zeit für zu investieren, wie du schreibst, auch weil es in den meisten Studiengängen mittlerweile recht straffe zeitliche Vorgaben gibt (Bologna-Prozess). Und wenn du dich von deinem Interesse leiten lassen möchtest, kann es auch ratsam sein, das ganze in Eigenregie zu machen. Du kannst dir die Bücher ausleihen / die Skripte durcharbeiten / die Vorträge online anschauen, die dich interessieren, und das wann immer und wie oft du möchtest. So genießt du also maximale Freiheit. Und man muss auch nicht als Mathematiker arbeiten, um regelmäßig Mathematik zu betreiben (ich kenne da jemanden...). Oder spielen für dich der Abschluss und eventuell auch eine Promotion eine wichtige Rolle? Falls ja, dann ist ein hoher zeitlicher wie konstanter Einsatz unabdingbar. Deine Frage, ob man mit deinem Vorhaben auch mit den "Großen" mithalten kann, verwirrt mich etwas, weil aus dem Rest deines Beitrags nicht hervorgeht, dass das dein Anspruch sein könnte. Aber die Antwort auf die Frage lautet natürlich 'Nein'. *Fun fact: Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei natürliche Zahlen im Intervall $[1,N]$ zueinander teilerfremd sind, strebt gegen $6/\pi^2$ für $N \to \infty$.


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Pi_Quadrat
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Dabei seit: 08.05.2022
Mitteilungen: 3
  Beitrag No.2, vom Themenstarter, eingetragen 2022-05-09

Danke für deine Begrüßung und deine Antwort. Zu deiner Frage, warum mir ein eingeschriebenes Studium vorschwebt: Das hat mehrere Gründe. Einerseits ist da schon auch irgendwo die Motivation, dass ich mir selber beweisen will, dass ich einen Master (oder evtl. auch PhD) schaffen kann. Ich mag also schon auch irgendwo eine gewisse Herausforderung, da würde mich vielleicht schon auch irgendwo ein bisschen der Ehrgeiz packen. Ein Master-Abschluss wäre dann halt auch die formale Bestätigung dafür, dass ich so etwas schaffen kann. Zusätzlich wäre es auch ein Ziel für mich, auf das ich hinarbeiten könnte bzw. könnte es helfen, dass ich am Ball bleibe. Ohne mir dieses Ziel zu stecken, könnte es leichter passieren, dass ich irgendwann einfach komplett aufhöre damit wenn ich die Lust verliere. Ein weiterer Grund ist auch ein bisschen der, dass man vielleicht als reiner Hobby-Mathematiker ohne relevanten Abschluss von "den Großen" eher belächelt wird bzw. nicht wirklich ernst genommen wird. Mit diversen Abschlüssen hat man ja doch auch irgendwo gezeigt, dass man "es kann". Ich kann mich noch an einige Situationen aus meiner Studienzeit erinnern, da haben Professoren auch ein wenig von Hobby-Mathematikern erzählt, mit denen sie zu tun hatten und diese wurden von ihnen eher belächelt als richtig ernst genommen. Und vielleicht ist da auch irgendwo ein bisschen der Ehrgeiz in mir, dass ich zeigen will, dass ich durchaus auch in der Lage wäre auf Augenhöhe mit Master-Studenten, Doktoranden etc. zu kommunizieren. Was ich mir halt schon auch denke, ist (und was für mich auch sehr motivierend ist) wenn man sich mit etwas, das einen wirklich interessiert 10, 15, 20 oder noch mehr Jahre regelmäßig beschäftigt, dass man da doch auch ordentliches Wissen sich aneignen kann Das ist jetzt momentan halt alles nur erst ein Gedanke in meinem Kopf, ich weiß natürlich nicht, ob ich da schon allein aus Zeitgründen überhaupt mithalten kann, weil ich wie gesagt so ein Mathematikstudium ja nicht Vollzeit machen könnte sondern nur so nebenbei. Und das mit dem Durchhalten und Interesse beibehalten ist halt auch so eine Sache bei mir, so ehrlich muss ich sein. Kann gut sein, dass ich mir das jetzt in der Theorie alles einfacher vorstelle als es dann tatsächlich sein wird, daher war auch mein Gedanke, dass ich mir hier im Forum ein wenig Feedback und Tipps zu meiner Idee hole ;-)


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Slash
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  Beitrag No.3, eingetragen 2022-05-09

Moin Pi_Quadrat, du könntest doch einfach mal probeweise die beiden Hauptkurse an der Fern-Uni Hagen belegen. Dann bekommst du auf jeden Fall ein Gespür für den Inhalt, Umfang und das Tempo des Mathematik-Studiums. An einer Präsenz-Uni wäre es noch umfangreicher. So kannst du dein Vorhaben ausloten. Sofern dein Studien-Interesse nicht darauf ausgerichtet ist, eines der großen offenen Probleme zu lösen, sondern rein auf Verständnis und Erweiterung deines Horizonts, dann macht es auch Sinn. Du willst ja andere Mathematiker und deren Arbeiten verstehen und dich auch selbst fachlich ausdrücken können. Wenn du das kannst bzw. gelernt hast, wirst du von Profis auch nicht belächelt, selbst wenn du keinen Abschluss machst. Daher, selbst wenn du keinen Abschluss anstrebst, macht ein (Fern)Studium Sinn, da es gerade in Mathe sehr schwierig ist, sich selbst in den Hinten zu treten. Die Motivation bricht eben schnell ein, wenn man keine kleinen Ziele mit etwas Prüfungsdruck vor sich hat oder zumindest den Druck die Übungsaufgaben zu lösen. Amateure werden übrigens immer von Profis "belächelt" (nicht nur in der Mathematik!), wenn diese sich ohne große Fachkenntnisse (sehr wenig Erfahrung/Übung!) überheblich und respektlos geben. Letztendlich zählen aber immer die Ergebnisse. Das gilt z. B. auch für Bereiche wie Kunst und Musik. Keinem studierten klassischen Musiker würde es in den Sinn kommen, einen E-Gitarren-Virtuosen zu belächeln, nur weil dieser nicht studiert hat. Denn beide wissen, nur viel Zeit, Übung und Leidenschaft ließ sie Meister ihres Instruments werden. Also, nichts spricht gegen ein Studium, bei ausreichend vorhandenem Interesse, Motivation und Zeit. Aber nicht der Abschluss sollte im Vordergrund stehen, sondern das Wissen und der Spaß an der Sache. Beste Grüße, Slash


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Kezer
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  Beitrag No.4, eingetragen 2022-05-09

Klar ergibt das Sinn. Grundsätzlich gilt (imo) für fast alles im Leben: Wenn etwas Spaß macht, sollte man es auch ausüben. Und selbstverständlich kann man ein hohes Niveau erreichen, wenn man gewissenhaft und begeistert dranbleibt. Immerhin war auch beispielsweise Pierre de Fermat Hobbymathematiker. 😉 Mein Rat: Fang einfach sofort an! Wenn es taugt, ist es cool. Und sonst wäre es auch kein Problem - du wüsstest, dass deine Vorangehensweise nicht passt und dass du einen Wegen suchen solltest, bzw. du kannst es auch einfach erstmal beiseite legen.


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haribo
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  Beitrag No.5, eingetragen 2022-05-13

ich schätze nahezu alle mitglieder des matheplaneten die mehr als 1000 mitteilungen hier geschrieben haben, machten dass genau aus der gleichen motivation heraus wie du es beschreibst... fast alle erfolgreich (minus eins selbstverständlich, grins) haribo p.s. wo ist die statistik versteckt wie viele das sind?


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Pi_Quadrat
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  Beitrag No.6, vom Themenstarter, eingetragen 2022-05-13

\quoteon(2022-05-09 07:09 - Slash in Beitrag No. 3) da es gerade in Mathe sehr schwierig ist, sich selbst in den Hinten zu treten. Die Motivation bricht eben schnell ein, wenn man keine kleinen Ziele mit etwas Prüfungsdruck vor sich hat oder zumindest den Druck die Übungsaufgaben zu lösen. \quoteoff Ja genau, das ist sicher so ein Punkt bei mir: Nämlich nachlassende Motivation im Laufe der Zeit, wenn ich keine Ziele habe. Darum wäre auf etwas hinzuarbeiten (also auf irgendeine Art Ziel) sicherlich förderlich für meine Motivation ;-) Und ja, würde mich auch interessieren wieviele "Hobby-Mathematiker" es hier im Forum gibt, die das wirklich als reines Hobby betreiben? Wieviele Stunden pro Woche beschäftigen sich Hobby-Mathematiker so im Schnitt mit der Materie? Also auch so, dass man wirklich vorankommt und nicht auf der Stelle bleibt? Denn was ich noch aus meiner Studienzeit weiß, ist, dass man einfach sehr vieles sehr rasch wieder vergisst, wenn man sich nicht regelmäßig mit der Materie beschäftigt...


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co2357
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  Beitrag No.7, eingetragen 2022-05-13

Hallo Pi_Quadrat, irgendwie bist du ja auf der Suche. Mit dem Bachelor bist du auch schon qualifiziert für den nächsten Schritt. Dann würde ich fragen: "Möchtest du ein Hobby, das man vorantreiben und auch wieder aufgeben kann bei Gelegenheit? Oder möchtest du eine Aufgabe, die nicht abgelegt werden kann, so wie Vatersein? Das heißt aber nicht, dass sich Hobby und Studium wie heiß und warm ausschließen, sondern es gibt auch viele Zwischenstufen. Grüße, Christian


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