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Universität/Hochschule Interessante Berufsfelder für Mathematiker
Pter87
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  Themenstart: 2022-05-23

Hallo, ich bin mittlerweile im Master und bin nun auf der Suche nach einer Werkstudentenstelle. Ich habe mir davor eigentlich nie so genau überlegt wohin es denn gehen soll, ich wusste allerdings, dass ich nicht an der Uni bleiben will sondern in die Industrie gehen möchte. Mein Profil: Mathematiker mit Spezialisierung in Optimierung(diskrete sowie nicht lineare) und Nebenfach Informatik (Data Science und maschinelles Lernen) Ich bin nun auf der Suche nach einer für mich interessanten Stelle, aber irgendwie finde ich da nichts Großartiges. Gefühlt sind die meisten Jobs irgendwie Beraterjobs im Finanzwesen oder in der IT oder ganz klassisch irgendwelche Softwareentwicklerstellen. Ich muss sagen, dass mich nichts davon reizt, vor allem nicht das Beraterberufsfeld oder die Arbeit bei irgendwelchen Unternehmen in der Wirtschaftsbranche (Risikoberatung, Wirtschaftsprüfung,...). Stellen bei FAANG interessieren mich genauso wenig, wobei ich dort wahrscheinlich eh nicht angenommen würde. Wenn man sowas nicht möchte, dann bleibt gefühlt nicht mehr so viel übrig. Das interessanteste Gebiet, das mir bekannt ist, ist forensische Datenanalyse(oftmals eng verknüpft mit Data Science), das fand ich echt cool. Ich habe auch mal vor Jahren wohl irgendwo eine Stelle als Machine Learning Engineer gesehen, in einem Unternehmen, welches wohl an Algorithmen für Hautkrebserkennung arbeitet. Das fand ich auch sehr interessant, gibt es aber irgendwie nicht mehr(solche Berufe scheinen eher selten zu sein). Solche Berufsfelder finde ich sinnstiftend in ähnlicher Weise wie den Beruf eines Arztes, eines Polizisten oder eines Krankenpflegers. Ich hoffe ihr versteht so bisschen, was für eine Art von Beruf ich suche und wollte euch einfach mal dahingehend fragen, was ihr denn noch für interessante Berufsfelder kennt, welche in diese Richtung gehen?


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Kitaktus
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  Beitrag No.1, eingetragen 2022-05-29

Hallo, zumindest in der Automobil-Industrie sind Data Scientist und Data Analyst durchaus gesuchte Profile. Ob das jetzt mit Hautkrebserkennung an Sinnhaftigkeit mithalten kann, muss jeder selbst entscheiden (naja, Unfallvermeidung beim (teil-)autonomen Fahren ist auch nicht ganz unsinnig). Man sollte sich aber auch im Klaren sein, dass man nicht erwarten kann, bis zur Rente an Hautkrebserkennung arbeiten zu können, auch in der Fußpilzerkennung werden Leute gebraucht ;-) Wenn Dich das interessiert, solltest Du außer bei den großen Herstellern (VW, Daimler, ...) auch bei den Entwicklungsdienstleistern (EDL) vorbei schauen, da ein großer Teil der eigentlichen Entwicklungsarbeit nicht bei den Herstellern, sondern bei spezialisierten EDL erfolgt. Viele Grüße, Kitaktus


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Thaleskreis
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  Beitrag No.2, eingetragen 2022-09-18

\quoteon(2022-05-23 15:28 - Pter87 im Themenstart) Ich bin nun auf der Suche nach einer für mich interessanten Stelle, aber irgendwie finde ich da nichts Großartiges. Gefühlt sind die meisten Jobs irgendwie Beraterjobs im Finanzwesen oder in der IT oder ganz klassisch irgendwelche Softwareentwicklerstellen. Ich muss sagen, dass mich nichts davon reizt, vor allem nicht das Beraterberufsfeld oder die Arbeit bei irgendwelchen Unternehmen in der Wirtschaftsbranche (Risikoberatung, Wirtschaftsprüfung,...). Stellen bei FAANG interessieren mich genauso wenig, wobei ich dort wahrscheinlich eh nicht angenommen würde. \quoteoff Willkommen im Berufsleben! Für Mathematiker gibt es eben nicht "den" Job bzw. es gibt eigentlich so gut wie gar keine mathespezifischen Jobs außerhalb Schule, Uni und ggf. irgendwelchen Instituten. Ich kann dir sagen, dass du nach dem Studium ein gewaltiges Problem haben wirst, nämlich dich in kurzer Zeit in ein mehr oder minder interessantes Berufsfeld einzuarbeiten, für welches diejenigen, die einfach nur eine Ausbildung gemacht haben, über Jahre hinweg speziell ausgebildet wurden. Diese haben in deinem Alter schon eine hohe fünfstellige Summe "verdient", die du erst einmal reinarbeiten musst! Du dagegen wirst ins kalte Wasser geworfen und darfst in kürzester Zeit auf deren Wissensstand kommen. Und nein, ich rede hier über keine Ausbildung zum Bäckereifachverkäufer o.ä., sondern z.B. zum Fachinformatiker, welcher durchaus auch Stellen mit Verantwortung bekommen kann. Wenn du das nicht glaubst, bitte, schau in die Stellenbörsen und schau die Jobbeschreibungen an! Das habe ich machen müssen und bleibt dir auch nicht erspart. Dann frage dich doch mal, ob du irgendein Know-How mitbringst, welches die fertigen Azubis dort nicht haben, welches aber in dieser Firma dringend benötigt wird; wohl eher nicht. Demnach bleiben in der Regel unattraktive Body-Leasing-Jobs bei irgendwelchen Kltischen übrig, zu denen ich eben diese IT- oder Beraterjobs zähle. Der einzige Vorteil daran ist, dass die Bezahlung wenigstens noch passt. Klar gibt es noch ein paar Jobs in den Versicherungen/Banken; aber da muss man erst einmal reinkommen (Vertiefung vorausgesetzt) und allzu interessant soll es da auch nicht sein (Excel-Listen, etc.). Mal ganz unabhängig davon, dass man bei den Versicherungen noch einmal eine jahrelange Aktuarsausbildung machen darf. Klar gibt es auch Jobs, bei denen R und ML usw. gefordert wird; das sind aber aus meiner Sicht eben auch IT-Jobs und keine Jobs, bei denen tiefgründiges Know-How benötigt wird. Ab und zu stellen auch Konzerne billige Absolventen für ihre IT-Subunternehmen ein (wohl auch nicht das Gelbe vom Ei), um irgendwelche Projekte zu verwalten. Sofern Statistikkenntnisse vorhanden sind, gibt es auch noch Jobs bei Behörden und teilweise auch in der Privatwirtschaft (Scoring, etc.). Ich bin aber der Meinung, dass selbst BWLer für Statistik-Jobs besser ausgebildet werden, da ein Mathestudium eben in die Tiefe und weniger in die Breite geht (Stichwort Beweise vs. Anwendungen). Aber es ist schon mal gut, dass du die Realität siehst und allmählich die Propaganda "Mathematiker werden händeringend gesucht" anzweifelst. Das werden sie nämlich nicht, sonst hätte ich mich nicht bewerben und bei Bewerbungsgesprächen beleidigen lassen müssen. Und nein, ich hatte keinen miesen Abschluss (Bester im Jahrgang) und hatte ein sehr gutes Praktikum vorzuweisen. Die Firmen wollen leider "jung und billig", da passt der hochqualifizierte (anspruchsvolle!) Mathematiker weniger ins Bild. Immerhin nähert man sich als Absolvent langsam den 30ern und hat beruflich kaum etwas vorzuweisen. Zum einzig Positiven: Mathematiker haben jedoch im Gegensatz zu den ganzen Leuten mit Ausbildung einen Vorteil; sie können sich in Themen/Probleme reinbeißen, halten im Job so länger durch und verdienen dann im Laufe der Zeit auch mehr. Dadurch kann man dann auch die Verdienstlücke halbwegs schließen. Aber: Derjenige mit Ausbildung hatte es während seines Lebens deutlich einfacher und kommt finanziell nicht so viel schlechter weg! Und nein: Mathematik ist kein Medizinstudium, hier gibt es kein festes Berufsbild! Gerade die IT ist sehr durchlässig (im Gegensatz zu Medizin), d.h. hier kann der Azubi auch Projektleiter werden und verdient dann mehr als der Mathematiker, der sich nicht "verkaufen" kann (große Klappe, "Softskills", A-Mentalität - du weißt, was ich meine?). Es gibt nur wenige Berufe, in denen ein Studium Sinn macht (Lehrer, Arzt, Jurist, usw.); ein Mathestudium macht leider nur bedingt Sinn, wenn man nicht an die Schule/Uni will. Wenn nochmal würde ich versuchen in jungen Jahren (< 20 Jahre) einen ruhigen und gut bezahlten Konzernjob zu angeln. Das Mathestudium lohnt sich leider aus beruflicher Sicht eher selten und ich kenne durchaus einige Mathematiker (auch in meiner jetzigen Firma - IT-Klitsche). Aus privater/persönlicher Sicht mag dieses Studium durchaus interessant sein, aber ob man hierfür viel Geld/Zeit investiert sollte, muss jeder selbst entscheiden. Es gibt übrigens auch Bücher zu den "Berufsmöglichkeiten" dieses Studiums (https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-322-96840-1). Dort werden aber eher zumeist Ausnahmen porträtiert (eigene Firma, attraktive Konzernjobs, usw.) - eine eher verzerrte Darstellung. Sicher gibt es diese Ausnahmen auch in diesem Forum, die sich sicher gerne zu Wort melden. Daher wünsche ich jedem Matheabsolventen (ohne Vitamin B) viel Glück bei der Jobsuche bzw. beim Finden einer fachfremden Nische, ein Mathematiker mit 12 Jahren Erfahrung in der IT/Beratung


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AlphaSigma
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  Beitrag No.3, eingetragen 2022-10-04

Hallo Pter87, ich bin gerade bei der Suche nach Mathematikbüchern auf www.ebay-kleinanzeigen.de auf eine Stellenanzeige von Infineon gestoßen. Sie suchen, was eher selten ist, explizit einen "(Senior) Mathematiker - Manager Implementierung / Wafer-Test". In der eigentlichen Stellenanzeige nennen sie dann aber z.B. auch Physiker, Chemiker oder Elektroniker als Zielgruppe. Das ist wohl einer der Tricks, um die Stelle für eine Zielgruppe besonders interessant zu machen. Die Stelle wird auch über gute.jobs vermittelt. Die vollen Links gebe ich extra nicht an. Die Stellenanzeige sollte sich auf den beiden Plattformen aber leicht finden lassen. Du kannst ja mal in die Stellenbeschreibung schauen, ob eine derartige Stelle etwas für dich wäre.


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