Die Mathe-Redaktion - 16.10.2019 13:57 - Registrieren/Login
Auswahl
ListenpunktHome
ListenpunktAktuell und Interessant ai
ListenpunktArtikelübersicht/-suche
ListenpunktAlle Links / Mathe-Links
ListenpunktFach- & Sachbücher
ListenpunktMitglieder / Karte / Top 15
ListenpunktRegistrieren/Login
ListenpunktArbeitsgruppen
Listenpunkt? im neuen Schwätz
ListenpunktWerde Mathe-Millionär!
ListenpunktFormeleditor fedgeo
Schwarzes Brett
Aktion im Forum
Suche
Stichwortsuche in Artikeln und Links von Matheplanet
Suchen im Forum
Suchtipps

Bücher
Englische Bücher
Software
Suchbegriffe:
Mathematik bei amazon
Naturwissenschaft & Technik
In Partnerschaft mit Amazon.de
Kontakt
Mail an Matroid
[Keine Übungsaufgaben!]
Impressum

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen, die Distanzierung, unsere Datenschutzerklärung und
die Forumregeln.

Sie können Mitglied werden. Mitglieder können den Matheplanet-Newsletter bestellen, der etwa alle 2 Monate erscheint.

Der Newsletter Okt. 2017

Für Mitglieder
Mathematisch für Anfänger
Wer ist Online
Aktuell sind 665 Gäste und 15 Mitglieder online.

Sie können Mitglied werden:
Klick hier.

Über Matheplanet
 
Zum letzten Themenfilter: Themenfilter:
Matroids Matheplanet Forum Index
Moderiert von matroid
Matroids Matheplanet Forum Index » Sonstiges » Kryptowährung schürfen - Versteht das jemand?
Druckversion
Druckversion
Antworten
Antworten
Autor
Kein bestimmter Bereich Kryptowährung schürfen - Versteht das jemand?
rianx
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Monat
Dabei seit: 01.02.2019
Mitteilungen: 24
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Themenstart: 2019-06-18


Hi!

Wie genau ist das Mining bzw. Schürfen von Kryptowährung zu verstehen? Ich bin kein erfahrenere Mathematiker/Informatiker und versuche mir gerade ein recht laienhaftes Bild von der Thematik zu machen. Eventuell kann sich jemand dazu äußern, der fachkundig ist.

Grüße  smile

P.S. Ich lese immer wieder, dass der Stromverbrauch des Minings höher ist als der Wert der daraus enstandenen Kryptowährung. Wie kann das denn sein, wenn bspw. 1 Bitcoin aktuell schon mit 8000 Euro gehandelt wird!?



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
gonz
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 16.02.2013
Mitteilungen: 3196
Aus: Harz
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.1, eingetragen 2019-06-18


Hallo rianx,

einiges ist in dem Wikipedia-Artikel zum Bitcoin#mining erklärt. Vielleicht beziehen wir uns auf den Artikel und du erklärst, wo da weitergehende Fragen sind oder was für dich noch der Erläuterung bedarf?

Ich kann mit nicht vorstellen, dass jemand Mining betreibt, wenn (zumindest längerfristig) die Energiekosten die Vergütung aus den geschürften Coins zum jeweiligen Marktwert übersteigen.

Das Ganze hat natürlich auch einen spekulativen Anteil, wenn man Farmen mit spezialisierter Hardware aufbaut, muss man ja zunächst einiges vorfinanzieren, sodaß solche Projekte auch eine Art Wette auf den zukünftigen Bitcoin Kurs darstellen.

Grüße
Gerhard/Gonz


-----------------
~ to fight! (Don Quijote de la Mancha)



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Kitaktus
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 11.09.2008
Mitteilungen: 6049
Aus: Niedersachsen
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.2, eingetragen 2019-06-19


Tendenziell sollten die Kosten der Erzeugung etwas unterhalb des Wertes eines Bitcoins liegen.

Wobei man hier genauer fragen muss, was man unter "Kosten" alles versteht.
Es gibt mindestens drei Fälle:
a) Man überlegt sich ganz neu ins Mining einzusteigen. Als Kosten sind hier die Anschaffung der Hardware, Raummiete, Gehälter für Bedien- und Wartungspersonal und nicht zuletzt die Stromkosten einzuberechnen.
Insgesamt ist diese Hürde am höchsten und man wird am ehesten zum Ergebnis kommen, dass der Neueinstieg nicht rentabel ist.
b) Man besitzt bereits eine Serverfarm, ist langfristiger an Räume und Personal gebunden. Hier ist kurzfristig nur der Strombedarf entscheidend.
Es kann sinnvoll zu sein, zu schürfen, obwohl man jeden Tag drauf zahlt, weil man noch mehr draufzahlt, wenn man nicht schürft.
c) Es gibt Gruppen/Personen, die zum Schürfen letztendlich nicht ihre eigene Rechenkapazität nutzen, sondern parasitär die Kapazitäten von anderen abgreifen. Das fängt an bei - ich lasse das im Hintergrund auf den Uni- oder Firmen-Rechnern laufen - und geht bis zur Verbreitung von Schadsoftware, die auf den Rechnern anderer schürft und die Ergebnisse dann überträgt. Hier spielen die Stromkosten gar keine Rolle -- das zahlt ja jemand anderes.

Würde nun der Wert des Bitcoins fallen oder die Strompreise steigen, so würden einige aus dem Schürfen aussteigen. Das führt wiederum dazu, dass der Schwierigkeitsgrad der zu lösenden kryptologischen Aufgabe herabgesenkt wird, damit weiterhin eine relativ konstante Rate an Blöcken erzeugt wird (etwa einer aller 10 Minuten).
Wobei ich nicht weiß, ob eine echte Senkung der Schwierigkeit vorgesehen ist, oder ob man dann einfach den "Anstieg der Schwierigkeit" verlangsamt (im Zweifelsfall auf 0).

Fazit: Liegt der Wert eines Bitcoins deutlich über den Herstellungskosten, so würden mehr Leute ins Schürfen einsteigen, woraufhin der Schwierigkeitsgrad erhöht werden würde, so dass sich Aufwand und Ertrag wieder annähern. Tendenziell liegen also Wert und Erzeugungskosten nahe beisammen. Durch Kursschwankungen oder unterschiedliche Kostengrundlagen, kann es also für mehr oder weniger große Teile der Schürfer zeitweise unwirtschaftlich sein, zu schürfen.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
hyperG
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 03.02.2017
Mitteilungen: 766
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.3, eingetragen 2019-06-19


zu "Versteht das jemand?":

Ich versuche mal eine einfache Kurzfassung:
Beim Schürfen werden komplizierte mathematische Aufgaben vergeben. Für das Ergebnis bekommt man so viel Geld, dass nur gute Hardware die ganze Sache rentabel macht.

(man soll ja nicht durch Zufall so eine Prüfsumme finden, sonst wäre es ja wie Lotto)

Waren es anfangs noch gute PCs,
musste man dann gute Grafikkarten verwenden...
und nun sind es spezielle "Pseudo-CPUs"
die solche komplizierten Aufgaben rentabel (also Gesamtkosten-technisch)
lösen können.

Sobald man veraltete Hardware nutzt, kann man zwar die Aufgabe lösen,
ABER die Gesamtkosten übersteigen den Preis für das Ergebnis.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
egf
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Monat
Dabei seit: 25.03.2008
Mitteilungen: 552
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.4, eingetragen 2019-06-19


Es scheint mir noch wichtig:
Es geht vor allem darum, der Schnellste zu sein! Dehalb kam es ja zu diesem Hardware-Wettrennen, Mining-Kollektiven und Rechnerfarmen. Das hatte in meiner Wahrnehmung weniger mit Marktmechanismen zu tun.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Kitaktus
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 11.09.2008
Mitteilungen: 6049
Aus: Niedersachsen
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.5, eingetragen 2019-06-20


Ich weiß nicht, ob global Informationen gesammelt werden, welche Bereiche schon untersucht wurden. Das wäre sonst ein Vorteil von großen Zusammenschlüssen -- man macht keine Doppelarbeit.

Vielleicht noch einen Satz zu "Was macht man da eigentlich?"
Man nimmt sich eine beliebige Binärzahl $b$ einer bestimmten Länge, wendet darauf zweimal hintereinander ein bestimmtes Verschlüsselungsverfahren $v$ an und schaut dann nach, ob das Ergebnis "klein" ist.
D.h. man vergleicht das Ergebnis mit einer vorgegebenen Schranke $S$, dazu müssen insbesondere genügend viele der Startziffern gleich 0 sein.
Ziel ist also $v(v(b))<S$.

Vorteile: Durch die Wahl von $S$ kann man den Schwierigkeitsgrad anpassen.
Hat man ein "sicheres" Verschlüsselungsverfahren, dann kann man nicht einfach einen kleinen Wert $z<S$ vorgeben und $v^{-1}(v^{-1}(z))$ berechnen.
Umgekehrt kann man aber sehr leicht überprüfen, ob $b$ die Bedingung erfüllt, in dem man $v(v(b))$ berechnet.



Wozu überhaupt dieser ganze Berechnungskram?

Zum einen sollen Bitcoins nicht "einfach herstellbar" sein. Wären beliebige Binärfolgen zugelassen, so könnte sich jeder beliebig viele Bitcoins erzeugen.
Zum anderen soll die "Echtheit" von Bitcoins und deren Transaktionen in einer Block-Chain (Kette von Blöcken) von der "Mehrheit" der Nutzer bestätigt werden.
Man muss also verhindern, dass eine kleine Gruppe von Personen durch das Anlegen von Fake-Accounts so tun kann, als wären sie die Mehrheit.
Dies geschieht durch ein "Proof of Work" also einen "Arbeitsnachweis".
Hinter jedem Block einer Block-Chain steht eine gewisse Rechenleistung. Möchte man also die "Mehrheit" erringen, so muss man mehr Rechenleistung aufbringen, als _alle anderen zusammen_. Das ist theoretisch möglich (und stellt einen der Schwachpunkte von Bitcoins dar). Praktisch ist das aber eben nicht durch "normale" Kriminelle zu bewerkstelligen.
[Nebenbei: Es würde natürlich auch auffallen, wenn in einer Block-Chain die "Mehrheitsmeinung" nach und nach zurückgedrängt wird, zumal ja jeder vergleichsweise einfach feststellen kann, dass die "Alternativ-Meinung" falsch (oder zumindest zweifelhaft) ist.]



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
rianx
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Monat
Dabei seit: 01.02.2019
Mitteilungen: 24
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.6, vom Themenstarter, eingetragen 2019-06-28


Vielen Dank! In Grundzügen verstehe ich natürlich das System (nach einem endlosen Dokumentationsmarathon), allerdings endet mein Verständnis dort, wo es tiefer mathematisch bzw. kryptographisch wird. Ohne ein universitäres Studium in diesem Bereich, muss man das als Laie wohl so akzeptieren...

Ferner bin ich der Aufassung, dass die Implementierung des Bitcoins wohl die mit Abstand größte Erfindung nach dem Internet ist. Ich muss zugeben, dass mich das Ganze schon sehr fasziniert, ins Besondere der Open Source Gedanke sowie das Mysterium Satoshi Nakamoto. Man hätte zur Anfangszeit des Bitcoins die Zusammenhänge richtig erkennen müssen und folglich investieren.

Was ich mich zudem frage: Wohin führt das Ganze nun? Jede Technologie wird stetig verbessert und findet diversere Anwendungsmöglichkeiten. Der Bitcoin ist in monetärer Sicht wohl nur der Anfang einer neuen Ära.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Kitaktus
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 11.09.2008
Mitteilungen: 6049
Aus: Niedersachsen
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.7, eingetragen 2019-07-01


Zu dem mathematisch/kryptographischen Hintergrund:
_Was_ da gerechnet wird, ist im Prinzip egal, es muss nur folgende Anforderungen erfüllen:
a) Die Aufgabe ist (relativ) schwer, aber auf jeden Fall lösbar.
b) Der Schwierigkeitsgrad ist skalierbar. Man kann die Aufgabe also "doppelt so schwer" (=doppelter Zeitaufwand) machen.
c) Die Überprüfung, ob die Aufgabe gelöst wurde ist _leicht_.

Schwere Aufgaben die auch c) erfüllen, gibt es relativ viele. Das Problem ist der anpassbare Schwierigkeitsgrad (insbesondere muss die Aufgabe überhaupt lösbar sein).
Die Implementierung der Bitcoins finde ich nicht so spektakulär, zumal es in der Kryptographie jede Menge Vorarbeiten gab, auf die man aufbauen konnte. Aber ja, man muss sich erstmal hinsetzen und das zu einem Konzept zusammenbauen.
Dass es vorteilhaft gewesen wäre, früh einzusteigen ist eine Binsenweisheit. Das ganze System ist ja darauf ausgelegt, den Früheinsteigern Vorteile zu verschaffen. Die Erzeugung neuer Blöcke wird immer schwieriger und die Auszahlung pro Block immer geringer.
Ich persönlich finde es sehr suspekt, dass einige wenige Personen einen großen Teil der Bitcoins, die jemals erzeugt werden können, besitzen bzw. besaßen.
Die "Kunst" bestand aus meiner Sicht darin, dass sich die "Macher" große Anteile der Bitcoins sichern konnten, und trotzdem Leute finden, die bereit sind, dafür viel Geld auszugeben. Für mich hat das schon Züge eines Schneeballsystems und entspricht keineswegs dem gerne propagierten "demokratischen Gedanken".

Aus meiner Sicht haben Bitcoins einige Vorteile (z.B. Unabhängigkeit von Zentralbanken) aber auch sehr viele Nachteile.
Insbesondere der enorme Ressourcen-Verbrauch ist ein riesiges Problem.
Hätte man als "Arbeitsnachweis" nicht etwas sinnvolleres definieren können -- z.B. die Erzeugung von Strom aus regenerierbaren Energieträgern? Oder wenigstens die Lösung von wissenschaftlich irgendwie relevanten Fragen/Problemen?
Ein weiteres Problem sind die hohen Transaktionskosten und die geringe Umlaufmenge, damit sind Bitcoins im Alltag ja kaum als reguläres Zahlungsmittel tauglich.

Mich würde interessieren, welcher Anteil der Transaktionen
a) Eventcharakter haben -- "hey seht mal, ich habe auch Bitcoins"
b) von Kriminellen zur Verdeckung ihrer Identität vorgenommen werden oder
c) rein spekulativ sind.
Ich glaube, dass der Kurs der Bitcoins auf lange Sicht zusammenbrechen wird, weil es keinerlei reale Werte gibt, die dahinterstehen (die investierte Energie bei der Erzeugung bekommt man ja nicht zurück) und es keine Institution gibt (ein Staat, die EU, die Weltbank), die gesteigertes Interesse daran hat, den Wert stabil zu halten.
Relativ viele Bitcoins sind in der Hand weniger Privatpersonen. Wenn mal einer von denen gezwungen ist, größere Mengen auf einmal umzusetzen, könnte der Kurs massiv einbrechen. Verluste von 50% innerhalb weniger Wochen hat es bereits gegeben.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Diophant
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 18.01.2019
Mitteilungen: 1896
Aus: Rosenfeld, BW
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.8, eingetragen 2019-07-01


@Kitaktus:

Zu b): jedenfalls werden von den ganzen Erpressungstrojanern die geforderten Beträge zur Entschlüsselung der Daten ja grundsätzlich in Bitcoin oder anderen Kryptowährungen eingefordert...


Gruß, Diophant



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
egf
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Monat
Dabei seit: 25.03.2008
Mitteilungen: 552
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.9, eingetragen 2019-07-01


@Kitaktus
Dir ist das sicherlich klar, aber ergänzend für den TS: Das Spektakuläre an Bitcoin ist nicht die Krypto, Kryptowährungen gab es schon vor Bitcoin, sondern die Blockchain. Und darin liegt auch der "demokratische Gedanke", in der Dezentralität und dem Fehlen einer "trusted authority", nicht im Geldaspekt oder diesem einen konreten Service (Bitcoin).

"Bitcoin nutzen vor allem Kriminelle" halte ich persönlich für Propaganda von Leuten, die Gefahr sehen, ihre Kontroll- und Profitmöglichkeiten zu verlieren. Ähnlich wie Darknet-->Kinderpornographie. Beweisen/Belegen kann ich das aber zugegebenermassen nicht.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Kitaktus
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 11.09.2008
Mitteilungen: 6049
Aus: Niedersachsen
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.10, eingetragen 2019-07-02


Ja, sicher, die Blockchain ist eine interessante Anwendung der Kryptographie, aber davon gibt es halt auch noch viele andere.

Was das Fehlen einer "Trusted authority" anbelangt: Ja, ich muss meiner Bank vertrauen, dass sie mir mein Geld wiedergibt und ich muss dem Staat trauen, dass er einspringt, wenn die Bank das nicht tut. Aber zumindest geben mir beide ein Versprechen in diese Richtung.

Auf der anderen Seite gibt es bei den Bitcoins _niemanden_, der mir verspricht, dass ich für mein eingesetztes Geld überhaupt irgendetwas "von Wert" wiederbekomme. Wo ist da jetzt der Vorteil?

Was die Nutzung durch Kriminelle anbelangt: Da gibt es sicher einen Wahrnehmungsfilter. Aber ich kenne halt niemanden, der sagt, ich lege mein Geld in Bitcoin an, weil das eine sichere Währung ist.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
egf
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Monat
Dabei seit: 25.03.2008
Mitteilungen: 552
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.11, eingetragen 2019-07-02


2019-07-02 01:54 - Kitaktus in Beitrag No. 10 schreibt:
Was das Fehlen einer "Trusted authority" anbelangt: Ja, ich muss meiner Bank vertrauen, dass sie mir mein Geld wiedergibt und ich muss dem Staat trauen, dass er einspringt, wenn die Bank das nicht tut. Aber zumindest geben mir beide ein Versprechen in diese Richtung.
Ein nach meinem Eindruck inhaltleeres Versprechen, das solange gültig ist, wie es keine Krise gibt. Wieviel durften die Griechen von ihrem Geld in der Krise vor paar Jahren noch abheben, 10'000 Euro? In der Schweiz, Deutschland, GB und Frankreich sind im Falle eines Runs meines Wissens 100'000 garantiert.

2019-07-02 01:54 - Kitaktus in Beitrag No. 10 schreibt:
Auf der anderen Seite gibt es bei den Bitcoins _niemanden_, der mir verspricht, dass ich für mein eingesetztes Geld überhaupt irgendetwas "von Wert" wiederbekomme. Wo ist da jetzt der Vorteil?
Das sehe ich eben als Stärke. Gewissermassen ist es ja der Code, der dir das Versprechen gibt, nicht irgendwelche Menschen mit ihren Interessen, Agendas und manipulativen Eingriffen (*). Dass du "Etwas von Wert" erhälst ist ja so oder so nichts weiter als ein Glaube - im Falle von Bitcoin schwächer, beim Euro, CHF, USD etc. kollektiv gefestigt.

(*) Ein Beispiel: Ich weiss nicht, wie die Situation heute ist, aber scheinbar konnte man zumindest bis vor ein paar Jahren nicht durch die üblichen Zahlungskanäle an Wikileaks spenden (waren wohl auf irgendeiner Schwarzen Liste der USA). Mit Bitcoin kann dir sowas Niemand verbieten resp. das Verbot durchsetzen.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Ex_Senior
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.12, eingetragen 2019-07-02


2019-07-02 21:18 - egf in Beitrag No. 11 schreibt:
Ein nach meinem Eindruck inhaltleeres Versprechen, das solange gültig ist, wie es keine Krise gibt. Wieviel durften die Griechen von ihrem Geld in der Krise vor paar Jahren noch abheben, 10'000 Euro? In der Schweiz, Deutschland, GB und Frankreich sind im Falle eines Runs meines Wissens 100'000 garantiert.

Laut Spiegel gab es in Griechenland während der Hochphase seiner Schuldenkrise die Beschränkung, Barabhebungen in Höhe von maximal 2300€/Monat zu tätigen.

Zur Einlagensicherung: Jep, der Staat garantiert jeweils 100k€/Konto (bzw. bei Gemeinschaftskonten 100k€/Person). Darüberhinaus gibt es in Deutschland getrennte private Einlagensicherungsfonds von Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken. Diese decken üblicherweise Summen bis 1 Million Euro pro Konto o.Ä. ab.

Cyrix



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Kitaktus
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 11.09.2008
Mitteilungen: 6049
Aus: Niedersachsen
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.13, eingetragen 2019-07-03


2019-07-02 21:18 - egf in Beitrag No. 11 schreibt:
2019-07-02 01:54 - Kitaktus in Beitrag No. 10 schreibt:
Auf der anderen Seite gibt es bei den Bitcoins _niemanden_, der mir verspricht, dass ich für mein eingesetztes Geld überhaupt irgendetwas "von Wert" wiederbekomme. Wo ist da jetzt der Vorteil?
Das sehe ich eben als Stärke. Gewissermassen ist es ja der Code, der dir das Versprechen gibt, nicht irgendwelche Menschen mit ihren Interessen, Agendas und manipulativen Eingriffen (*). Dass du "Etwas von Wert" erhälst ist ja so oder so nichts weiter als ein Glaube - im Falle von Bitcoin schwächer, beim Euro, CHF, USD etc. kollektiv gefestigt.

Nach meinem Verständnis bringst Du zwei Argumente vor:
Bitcoins sind durch den "Code" geschützt, während die Banken mit meinem Geld sonst was machen (könnten).
Der Vergleich hinkt etwas. Entweder man vergleicht Bitcoins mit Bargeld. Da haben Bitcoins Vorteile, weil man große Mengen unauffällig mit sich führen kann, aber auch Nachteile -- Transfers von Bitcoins sind verhältnismäßig teuer. Bargeld wird mir eher von einem Einbrecher vor Ort gestohlen, Bitcoins über Spyware (keylogger usw.) aus der Ferne.
Oder man vergleicht Bankguthaben mit Bitcoins, die man an einer Onlinebörse angelegt hat, da gab es in der Vergangenheit durchaus Millionenverluste durch Hackerangriffe, weil mit den Einlagen spekuliert wurde, oder die Börsen ihren Betrieb einfach eingestellt haben -- siehe hier.
Also wirkliche Vorteile kann ich hier kaum erkennen.

Das zweite Argument halte ich in der Form für grob fahrlässig. Das hinter Bitcoins keine realen Werte stehen (im Gegensatz zu Aktien etwa) beantwortest Du mit dem Einwand, das ja auch Bargeld nur funktioniert, weil genügend viele daran glauben, dass ihr Geld auch am nächsten Tag noch seinen Wert behält.
Bei Währungen wie D-Mark oder Euro stehen ganze Volkswirtschaften für eine Wert-Stabilisierung ein. In den letzten 50 Jahren lag die Jahres(!)inflation nie über 8%.
Bitcoin Gold (im Oktober 2017 gebildeter Ableger von Bitcoin) wurde am 11. November 2017 noch für über 400€ verkauft. Ein gutes Jahr später Ende November 2018 war er nicht einmal mehr 16€ wert.
Wertverlust: 96%(!), Inflation: 2400%.
Der Ribble (XRP) (derzeit drittwichtigste Kryptowährung) hat vom Januar bis Dezember 2018 89% an Wert verloren.
Sind das Einzelfälle? Eher nicht: 18 der 20 wichtigsten Krypto-Währungen haben in der letzten Woche (!) mehr als 10% an Wert eingebüßt.
Die Wertstabilität ist also um (mehrere) Größenordnungen geringer als dies bei "normalen" Währungen der Fall ist.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
egf
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Monat
Dabei seit: 25.03.2008
Mitteilungen: 552
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.14, eingetragen 2019-07-04


2019-07-03 17:22 - Kitaktus in Beitrag No. 13 schreibt:
Nach meinem Verständnis bringst Du zwei Argumente vor:
Bitcoins sind durch den "Code" geschützt, während die Banken mit meinem Geld sonst was machen (könnten).
Der Vergleich hinkt etwas. Entweder man vergleicht Bitcoins mit Bargeld. Da haben Bitcoins Vorteile, weil man große Mengen unauffällig mit sich führen kann, aber auch Nachteile -- Transfers von Bitcoins sind verhältnismäßig teuer. Bargeld wird mir eher von einem Einbrecher vor Ort gestohlen, Bitcoins über Spyware (keylogger usw.) aus der Ferne.
Oder man vergleicht Bankguthaben mit Bitcoins, die man an einer Onlinebörse angelegt hat, da gab es in der Vergangenheit durchaus Millionenverluste durch Hackerangriffe, weil mit den Einlagen spekuliert wurde, oder die Börsen ihren Betrieb einfach eingestellt haben -- siehe hier.
Also wirkliche Vorteile kann ich hier kaum erkennen.
Ok, aber das ist in der Tat schwierig, da Bitcoin "alles" gleichzeitig ist, Währung, Zahlungskanal, Bargeld, Konto.
1. Ja die hohen Transaktionsgebühren stören mich auch.
2. Wird m.M.n. "hacking" immer so leicht daher gesagt (auch bei AKWs, E-Voting, etc.). Da kommt mir immer das in den Sinn: xkcd: Security  ;-) . Klar gab es diese Fälle, aber wie du richtig schreibst nahezu ausschliesslich bei Börsen / Plattformen - das ist ja gerade nicht der Sinn der Dezentralität. 100% Sicherheit gibt es sowieso nicht, weder in der digitalen noch der analogen Welt.

2019-07-03 17:22 - Kitaktus in Beitrag No. 13 schreibt:
...auch Bargeld nur funktioniert, weil genügend viele daran glauben, dass ihr Geld auch am nächsten Tag noch seinen Wert behält.
Bei Währungen wie D-Mark oder Euro stehen ganze Volkswirtschaften für eine Wert-Stabilisierung ein.
Ja, das gängige Narrativ, das ist mir zu abstrakt, resp. was soll das genau bedeuten? Man kann ja nicht zum Staat / Zentralbank gehen und sein Geld (sofern man es überhaupt noch kriegt) in z.B. Nahrungsmittel oder Dienstleistungen eintauschen. 1929 war man hilflos, 2007 war man ebenfalls hilflos (naja, man druckt einfach Geld und erkauft sich Zeit, löst aber das Problem nicht).

2019-07-03 17:22 - Kitaktus in Beitrag No. 13 schreibt:
Sind das Einzelfälle? Eher nicht: 18 der 20 wichtigsten Krypto-Währungen haben in der letzten Woche (!) mehr als 10% an Wert eingebüßt.
Die Wertstabilität ist also um (mehrere) Größenordnungen geringer als dies bei "normalen" Währungen der Fall ist.
Ja das stimmt, Kryptowährungen allgemein sind momentan ziemlich volatil. Da muss man aber auch bedenken, dass das ganze noch relativ jung ist. Ausserdem ist das momentan doch auch eine Korrektur auf den jüngsten Hype, z.B. sind andere Metriken wie die Anzahl Transaktionen pro Tag stabiler: hier



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
rianx hat die Antworten auf ihre/seine Frage gesehen.
Neues Thema [Neues Thema] Antworten [Antworten]    Druckversion [Druckversion]

 


Wechsel in ein anderes Forum:
 Suchen    
 
All logos and trademarks in this site are property of their respective owner. The comments are property of their posters, all the rest © 2001-2019 by Matroids Matheplanet
This web site was made with PHP-Nuke, a web portal system written in PHP. PHP-Nuke is Free Software released under the GNU/GPL license.
Ich distanziere mich von rechtswidrigen oder anstößigen Inhalten, die sich trotz aufmerksamer Prüfung hinter hier verwendeten Links verbergen mögen.
Lesen Sie die Nutzungsbedingungen, die Distanzierung, die Datenschutzerklärung und das Impressum.
[Seitenanfang]