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Universität/Hochschule Unendlichkeit von Zeit
Gengar
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Themenstart: 2021-03-04


Hallo lieber Matheplanet,

angenommen wir leben in einem Universum, in dem die Zeit linear verläuft und bereits unendlich lange existiert. Macht dieses Konzept Sinn?

Denn dann müsste der Sekundenzeiger einer imaginären Uhr bereits unendlich oft getickt haben. Aus der Sicht der Uhr kann es aber die jetzige Zeit niemals erreicht haben, denn woher weiß die Uhr wann unendlich ist? Müssten wir dann nicht total unbestimmt sein?
Sagen wir, das Universum existiert seit unendlich Sekunden. Das ist das gleiche als würde man sagen: Das Universum existiert seit unendlich Stunden.

In die andere Richtung ist das kein Problem: Von jetzt an darf die Uhr unendlich lange weiterticken...Die Uhr wird aber in Zukunft nie unendlich oft getickt haben, sondern nur beliebig oft.

Hat sich jemand schon mal dieselbe Frage gestellt ?



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zippy
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.1, eingetragen 2021-03-04


2021-03-04 00:36 - Gengar im Themenstart schreibt:
Denn dann müsste der Sekundenzeiger einer imaginären Uhr bereits unendlich oft getickt haben. Aus der Sicht der Uhr kann es aber die jetzige Zeit niemals erreicht haben, denn woher weiß die Uhr wann unendlich ist? Müssten wir dann nicht total unbestimmt sein?

Analoge Argumente wären:

1. Es ist unmöglich, auf einer Geraden einen Punkt zu markieren, denn dafür müsste man ja die unendliche Strecke vom Anfang der Geraden bis zu diesem Punkt durchlaufen.

2. Es ist unmöglich, eine ganze Zahl anzugeben, denn alle ganze Zahlen haben zu $-\infty$ den Abstand "unendlich" und sind damit total unbstimmt.

Dass man nun aber Punkte auf Geraden markieren und ganze Zahlen hinschreiben kann, zeigt, dass mit diesem Argument etwas nicht stimmt...

--zippy



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traveller
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.2, eingetragen 2021-03-04


Zeit ist erstmal eine Koordinate wie die Raumkoordinaten auch, und bei denen gibt es ja auch keine Probleme, einen Punkt im Koordinatensystem anzugeben, auch wenn man sich das Universum als räumlich unendlich ausgedehnt vorstellt.

Inwiefern die Zeit überhaupt "läuft" und ob dies nicht lediglich eine subjektive menschliche Empfindung ist, ist nicht klar, manche Physiker möchten diese beiden Arten von "Zeit" sogar klar trennen, siehe etwa hier.



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pzktupel
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.3, eingetragen 2021-03-04


Vielleicht exisistiert Zeit überhaupt nicht, bzw. nur dann, wenn Menschen im Universum leben ? Wir haben den Verstand und die Beobachtung, solch eine Einteilung der Welt vorzunehmen. Wenn keiner da ist, kanns keiner einteilen, defininieren oder sich den Kopf darüber zu zerbrechen.
Das kann ebenso für Punkte auf Geraden und Zahlen gelten.
Es existiert erst etwas, wenn es einen Beobachter gibt, meine Meinung.


-----------------
zum Primzahl k-Tupel Thread
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Hinweis: MP-Notizbuch



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gonz
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.4, eingetragen 2021-03-04


Hallo Gengar,

falls du das vertiefen willst, und "abwegiges" nicht scheust, gibt es dazu ein Konzept von C.F.v. Weizsäcker, präsentiert in einigen (nicht so einfach lesbaren) Büchern wie "Aufbau der Physik". Dort geht er zunächst einmal von der Beobachtung aus, dass es für uns eine Gegenwart gibt, aus der wir nicht entkommen können, eine Zukunft, die offen ist (aber Prognosen erlaubt, wie auch immer das genauer geschehen mag) und eine Vergangenheit, die im Prinzip fest steht und uns durch "Dokumente" erschließbar.

Es hat mich damals fasziniert, weil die Physik (eigentlich, meiner bescheidenen Erkenntnis nach) auf Fragen wie "warum bin ich eigentlich dieser komische Gonz, und nicht irgendwer anders oder irgendwann anders" keine wirklichen Antworten gibt.

Grüße,
Gerhard/Gonz



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Gengar
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.5, vom Themenstarter, eingetragen 2021-03-04


2021-03-04 01:41 - zippy in Beitrag No. 1 schreibt:
2021-03-04 00:36 - Gengar im Themenstart schreibt:


Analoge Argumente wären:

1. Es ist unmöglich, auf einer Geraden einen Punkt zu markieren, denn dafür müsste man ja die unendliche Strecke vom Anfang der Geraden bis zu diesem Punkt durchlaufen.

2. Es ist unmöglich, eine ganze Zahl anzugeben, denn alle ganze Zahlen haben zu $-\infty$ den Abstand "unendlich" und sind damit total unbstimmt.

Dass man nun aber Punkte auf Geraden markieren und ganze Zahlen hinschreiben kann, zeigt, dass mit diesem Argument etwas nicht stimmt...




Nein, das sind denke ich keine Analogien.

Eine Analogie wäre zum Beispel "eine unendlich lange Strecke zurücklegen".

In deinen Beispielen durchläuft man aber keinen "unendlich langen" Weg, wohingegen die Uhr in meinem Gedankenexperiment aber unendlich oft getickt haben muss. Das ist das Problem.



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MontyPythagoras
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.6, eingetragen 2021-03-04


Hallo Gengar,
2021-03-04 00:36 - Gengar im Themenstart schreibt:
angenommen wir leben in einem Universum, in dem die Zeit linear verläuft und bereits unendlich lange existiert. Macht dieses Konzept Sinn?
Nein. Also warum dann darüber nachdenken?
Wir wissen ziemlich sicher, dass das Universum mit dem Urknall entstanden ist, und damit auch die Zeit, die im Gefüge der Raumzeit nichts anderes ist als eine weitere Dimension, mit ein paar geringfügigen Unterschieden. Es gab also tatsächlich einen Zeitpunkt $t=0$, und davor gab es nichts. Dieser Zeitpunkt ist nach heutigen Berechnungen ca. 13,7 Mrd. Jahre her. Auch sollte sich herumgesprochen haben, dass Zeit relativ ist, und zum Beispiel in der Nähe großer Massen oder bei hoher Geschwindigkeit nahe der Lichtgeschwindigkeit anders verläuft. Und in schwarzen Löchern endet sie auch tatsächlich.
Immer wieder hört man die Frage: "Was war denn dann vor dem Urknall?" Gar nix. Weil es in unserem Zeitgefüge kein "davor" gibt. Regelmäßig ist auch die Rede davon, dass es vor dem Urknall ein anderes Universum gegeben haben könnte. Genauso blödsinnig, denn das "davor" bedingt ja wieder eine zeitliche Abfolge. Das ist aber nicht möglich, weil in den beiden Universen dann ja auch völlig unterschiedliche Zeitdimensionen vorhanden waren/sind/sein werden, so wie es auch andere Raumdimensionen waren. Ein "davor" und "danach" impliziert aber immer, das zwei Ereignisse zumindest in der gleichen Zeitdimension stattfinden. Es ist wie die Frage, ob "oben" eher "vor" oder "hinter" "daneben" ist. Wenn sich Dinge nicht in der gleichen Dimension abspielen, kann man sie auch nicht in eine Reihenfolge bringen. Die Implosion eines Universums könnte kausal zwar ursächlich sein für den Urknall und die Entstehung eines neuen, aber schon das ist Spekulation und man darf es sicher nicht als zeitliche Abfolge nach unserem konventionellen Verständnis betrachten.
Man könnte nun darüber spekulieren, ob es eine oder mehrere Meta-Dimensionen gibt, wo für irgendeinen Gott tatsächlich so etwas wie "Zeit" abläuft, aus dessen Sicht die Universen nacheinander existieren, aber ich halte davon nichts. Dann bewegen wir uns in die Bereiche Religion und Philosophie, und da endet jede sinnvolle Diskussion auf naturwissenschaftlicher Basis.
Finde Dich einfach damit ab, dass es kein $t=-\infty$ gab, noch nicht einmal $t=-1\text s$.

Ciao,

Thomas



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Gengar
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.7, vom Themenstarter, eingetragen 2021-03-04


Es ist ja auch nicht von diesem Universum mit Urknall die Rede. Sondern von einem hypothetischen Universum. Vor ca 100 Jahren dachte man noch, das Universum hat schon immer existiert, also ohne Ausnahme. Aber auch ohne die Beobachtung und Folgerung, dass das Universum expandiert, hätte man sich das doch fragen müssen und den Schluss ziehen, dass etwas nicht "schon immer" existieren kann. Man kann zwar "in die Unendlichkeit reisen" aber, nicht "aus der Unendlichkeit kommen".



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viertel
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.8, eingetragen 2021-03-05

\(\begingroup\)\(\newcommand\d{\mathop{}\!\mathrm{d}}\)
2021-03-04 23:24 - Gengar in Beitrag No. 7 schreibt:
Man kann zwar "in die Unendlichkeit reisen" aber, nicht "aus der Unendlichkeit kommen".
\(\begingroup\)\(\newcommand\d{\mathop{}\!\mathrm{d}}\)
Wie kommst du zu dieser Behauptung 😮?
Deine imaginäre Uhr genügt nicht als Argument. Wenn sie vorwärts laufen kann, dann kann man sie auch beliebig weit zurückdrehen. Einen „Anfang“ hat es da nie gegeben. Genausowenig wie es eine kleinste reelle Zahl gibt, egal, wie weit du auf dem Zahlenstrahl „nach links“ gehst. $-\infty$ kann nicht der Anfang sein. Denn egal, was du dazu addierst, es bleibt $-\infty$.
\(\endgroup\)


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