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Beruf Mathe- oder Medizinstudium besser?
photon007
Neu Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 21.08.2021
Mitteilungen: 1
  Themenstart: 2021-08-21

Hallo zusammen, ich bin ziemlich verzweifelt und hoffe, dass mir jemand von euch Anregungen/ Ratschläge geben kann. Ich bin 19, habe 2020 Abi gemacht und dann ein Mathestudium begonnen, das musste ich dann kurz vor dem 2. Semester beenden aufgrund einer Krebserkrankung. Habe dann bis jetzt „Pause“ gemacht. Eigentlich war mir auch klar, dass ich wieder Mathe studieren will. Mir macht es einfach Spaß, Dinge zu verstehen, diese abstrakten Strukturen, die rigorose Logik, aber auch Physik als Nebenfach. Mir macht auch jede Naturwissenschaft Spaß, deshalb habe ich mich zusätzlich zu Physik in Chemievorlesungen gesetzt auch die Prüfung geschrieben. Aufgrund meiner Gesundheitsgeschichte im letzten 3/4 Jahr und einiger Krankheitsfälle meiner Großeltern ist mir jedoch die Medizin in den Fokus gerückt. Es ist unfassbar, wie schlecht unser System ist: Gestresste Ärzte, keine Zeit, Fehldiagnosen, etc etc.. Das hat mich erschüttert. Nun habe ich aufgrund meiner Abinote einen Medizinstudienplatz bekommen, aber ich bin mir nicht sicher, welchen Weg ich gehen soll - Mathe oder Medizin. Pro Mathe: - man lernt das Denken, man hat Kompetenzen, nicht nur Wissen - Physik als NF: tiefes Naturverständnis Contra Mathe: - mich interessieren Banken, Versicherungen, Unternehmensberatung = 0, mein Berufsweg wäre vielleicht mathem. Modellierung in der Biologie etc. oder KI in der Medizin, aber das ist schon sehr nischenhaft - vielleicht kein hohes Gehalt, deutlich niedriger als Arzt - keine so gute Möglichkeit zur Selbstständigkeit Pro Medizin: - sehr wertvolles Wissen, hohes Gehalt, Selbstständigkeit - kann ein guter Arzt werden, da ich ein Faible für Naturwissenschaften habe und gute Grundlagen darin, bezeichne mich als empathiefähig. ;) - Ärztemangel Contra Medizin - Studium nur Auswendiglernen, macht keinen Spaß, keine Freizeit - Assistenzarzt null Work- Life-Balance - überhebliche Kommilitonen, denken sie wären die größten weil sie Medizin studieren / Arzt sind Fazit: Wenn ich mir nur das Studium anschaue, gewinnt definitiv Mathe, wenn ich nur den Beruf anschaue, dann definitiv Medizin (wegen Sicherheit etc.). Kann mir jemand Anregungen/Tipps geben? Herzlichen Dank!


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nzimme10
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  Beitrag No.1, eingetragen 2021-08-21

Hallo photon007 und herzlich willkommen auf dem Matheplaneten :) Erstmal hoffe ich natürlich, dass es dir nach deiner Erkrankung wieder besser geht. Das ist eine sehr schwierige Frage und ich glaube im Endeffekt wird dir hier niemand die Entscheidung abnehmen können. Es kommt denke ich auch sehr darauf an, was dir wichtiger ist und wo du deine Prioritäten siehst. Etwas zu studieren um dann in einem Beruf zu landen den man eigentlich gar nicht gerne machen will wäre ja auch eher suboptimal. Hast du dich vielleicht schonmal nach anderen Berufsfeldern umgesehen (außer den von dir bereits genannten), in denen du deine beiden Interessen kombinieren könntest? LG Nico


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Ixx
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  Beitrag No.2, eingetragen 2021-08-21

Hallo photon007 und Willkommen auf dem Mathe-Planeten! Es gibt ja durchaus Verknüpfungen beider Disziplinen, z.B. an der Uni Lübeck Mathematik in Medizin und Lebenswissenschaften. Ggf. sind ähnliche Studiengänge auch an anderen Unis zu finden. Generell würde ich zu einem (reinen) Medizin-Studium nur raten, wenn man das Berufsbild des Arztes direkt anstrebt. Das muss man schon wollen, da man hier mit der universitären Ausbildung auf den Berufszweig recht festgelegt ist, während man umgekehrt mit einem Mathe-Studium viele Möglichkeiten hat (und auf nichts richtig vorbereitet ist, was man dann on the fly im Beruf lernt). Gehälter sind wie üblich in diesem Bereich sehr variabel, insbesondere, wenn man sich selbständig macht. Das kann man als niedergelassener Arzt mit eigener Praxis aber natürlich auch in einem wirtschaftlichen Unternehmen in der Industrie. Aber natürlich sind als angestellter Mathematiker in größeren Unternehmen sehr hohe Gehälter erzielbar. (Generell lässt sich aber feststellen, dass man wohl sowohl als ausgebildeter Mathematiker wie Mediziner immer einen Job finden wird, der nicht schlecht bezahlt wird.) Schlussendlich ist es wie immer: Die Entscheidungen über das eigene Leben kann einem (als mündiger Erwachsener) niemand abnehmen; die Verantwortung trägt man selbst. Als Ratschlag würde ich aber mitgeben, dass man eher danach entscheiden solle, in welcher Profession man sich wohl fühlt und weniger auf maximal mögliches Gehalt, mögliches Prestige o.Ä. zu achten. Viel Erfolg, egal wofür du dich entscheidest, weiterhin! :) [Die Antwort wurde vor Beitrag No.1 begonnen.]


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LetsLearnTogether
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  Beitrag No.3, eingetragen 2021-08-21

Hallo, ich würde Geld bei der Frage nach dem Studium gar nicht einbeziehen, sondern eher nach Interesse gehen, und wie viel Freude es dir bereitet. Auch sonst finde ich, dass deine Punkte die für, oder gegen das Medizinstudium sprechen irgendwie klischeehaft sind, und du das eigentlich gar nicht wirklich beurteilen kannst, ohne es probiert zu haben, bzw. die anderen Studenten kennengelernt zu haben. Die Chance auf ein Medizinstudium hat nicht jeder. Vielleicht solltest du es einfach mal probieren, und gucken ob sich deine Befürchtungen bestätigen. Du bist mit 19 ziemlich jung, und darfst dir gerne Zeit lassen dich zu orientieren. Wenn du Mathematik studieren möchtest, wird das immer möglich sein. Ob das mit Medizin so ist, weiß ich nicht. Es reicht auch, wenn man manche Dinge als Hobby betreibt. Medizin mit Hobby Mathematik ist wohl realistischer als Mathematik mit Hobby Medizin. Ich würde es also einfach mal mit dem Medizinstudium probieren, und dann kannst du nach 1-2 Semestern immer noch entscheiden, was du wirklich willst. Was ist schon ein Jahr? Manche kommen mit 20 erst aus der Schule. Mathematik kannst du ja als Hobby weiterbetreiben. Wenn du dann dein Mathematik-Studium wieder aufnehmen solltest, kannst du dann wiederum eventuell Zeit einsparen, indem du einfach mehr Kurse belegst, wenn du dich eigenständig schon mit den Themen auseinandergesetzt hast. Im Endeffekt kannst du das nur selbst entscheiden. Es wird ja einen Grund gegeben haben, dass du dich für ein Medizinstudium beworben hast, also scheinst du das ja doch irgendwie zu wollen.


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Bernhard
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  Beitrag No.4, eingetragen 2021-08-22

Hallo photon007! Willkommen auf dem Matheplaneten! Ich hoffe, daß Du wieder einigermaßen wohlauf bist! Ich würde den Rat von LetsLearnTogether voll unterstreichen: Du bist noch jung genug, um Dich heranzutasten und etwas auszuprobieren - und dabei mit Medizin zu beginnen. Das Anfangsstudium ist ja für alle Mediziner gleich. Wenn Du dann eine Vorstellung bekommst, ob und wohin Du Dich genauer qualifizieren willst (Facharzt, Forschung, Hausarzt,...), dann kannst Du vielleicht auch noch in andere Vorlesungen hereinschnuppern (Mathe, Informatik, Biologie etc.) Für KI in der Medizin - nehme ich an - wird es keine so große Rolle spielen, ob man sich als Arzt mit guten Mathe-/Informatikkenntnissen bewirbt oder als Mathematiker, der eine Ahnung von Medizin hat. Beide Fächer - Medizin sowie Mathematik - spielen in so vielen fachübergreifenden Projekten eine wichtige Rolle, daß es da noch viele Einsatzmöglichkeiten für Dich gibt. Darum ist auch jetzt kaum absehbar, ab sich das eine oder das andere Studium später mehr auszahlt - von den Arbeitsbedingungen her, den Karrierechancen oder finanziell. Aber Du schreibst noch etwas anderes: \quoteon(2021-08-21 15:37 - photon007 im Themenstart) Aufgrund meiner Gesundheitsgeschichte im letzten 3/4 Jahr und einiger Krankheitsfälle meiner Großeltern ist mir jedoch die Medizin in den Fokus gerückt. Es ist unfassbar, wie schlecht unser System ist: Gestresste Ärzte, keine Zeit, Fehldiagnosen, etc etc.. Das hat mich erschüttert. Nun habe ich aufgrund meiner Abinote einen Medizinstudienplatz bekommen, aber ich bin mir nicht sicher, welchen Weg ich gehen soll - Mathe oder Medizin. \quoteoff Das sind starke Worte und die haben mich sehr beeindruckt! Du bist durch eigene Erlebnisse zu der Überzeugung gekommen, dort helfen zu wollen! Das, was Du von dem Gesundheitswesen schreibst, hält normalerweise andere Leute, die vor solch einer Entscheidung stehen, vom Medizinstudium ab. Diese innere Stimme solltest Du auch weiterhin ernst nehmen. Wahrscheinlich wirst Du dann später auch zufriedener mit Dir sein und es wird Dir helfen, diesen Bruch in denem Leben, auch besser zu verkraften. Viele Grüße, Bernhard


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Delastelle
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  Beitrag No.5, eingetragen 2021-08-22

Hallo photon007! Man kann nach einem Mathematikstudium auch in die medizinische Forschung gehen... Mediziner(aber auch andere Leute) haben oft Defizite bei statistischen Auswertungen ihrer Meßdaten. An Unis gibt es oft Mathematische Institute zur Unterstützung der Mediziner. Viele Grüße Ronald [Die Antwort wurde nach Beitrag No.3 begonnen.]


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